Monatsarchiv für April 2007

Gibt’s denn nur noch schlechte Nachrichten?

Montag, den 30. April 2007

Nun ist Stefan auch schon wieder weg. Umgeben von schoenen Frauen und bei der relativen deutschen Kaelte, muss er sich nun wieder seinem Studium widmen.

3 Monate sind verdammt schnell vergangen.

Aber dabei faellt auf, dass es fuer mich hier auch nicht mehr allzu ewig dauert! Wir haben schon wieder Ende April, und ich hab schon mein Rueckflugticket klargemacht fuer Mitte Juni.

Also auch nur noch gut 1 einhalb Monate. Ob das gut, oder schlecht ist, weiss ich im Moment noch nicht so richtig.

Fest steht im Moment nur, dass das hiesige Wetter alle ein bisschen frustriert: Selbst Stefan, der sich ruehmte, nie ernsthaft krank gewesen zu sein, hatte es am vorletzten Tag noch ein bisserl erwischt. Die Rede ist von Verdauungsproblemen (weitere Details spare ich an dieser Stelle). Das Problem eines jeden deutschen Koerpers hier scheint die staendige unnormale Hitze zu sein (jeden Tag 40 Grad, also mehr als der Koerper selbst).

Hinzu kommt noch, dass die Qualitaet des Essens, bzw. der Zutaten bei der Hitze auch abnimmt.

Bei Stichwort “abnehmen” faellt mir eine weitere unerfreuliche Sache wieder ein: ich habe glaube ich erheblich abgenommen in den vergangenen Monaten. Zumindest an Muskelmasse. Quasi jeder groessere Knochen ist von aussen erfuehlbar, das einzige wohl runde ist der Bauch… Da ich mich noch nicht in die Naehe einer Waage getraut habe, kann ich leider keine Zahlen nennen.

Aber ihr koennt euch gerne schon die kreativsten Versionen von “mann, bist du blass / duenn / haesslich geworden” und “wer bist du denn?” ueberlegen.

Vielleicht machen wir einen kleinen Wettbewerb draus?

3 Mann in einem Boot

Freitag, den 20. April 2007

Wir sind nur noch zu dritt…
Denn obwohl inzwischen Claus angekommen ist, war dafuer schon wieder Abschiedszeit fuer Uwe. Er geht weiter nach Uttaranchal, genauer in das kleine Oertchen Almora. Dort wird er seine Arbeit fuer Deepalaya in den naechsten 3 Monaten fortsetzen. Und dann? Schaun mer mal…
Soweit fuer heute. Nur ein kleines Update.
Mehr ueber Claus gibts, wenn ich selbst mehr weiss, und er mir erlaubt, sein Privatleben vor euch auszubreiten. Bis dahin schoenes Wochenende.

Goldene Tempel, Silberne Wuerstchen und bronzene Haut

Montag, den 16. April 2007

Amritsar - Der Goldene Tempel

Am letzten Wochenende waren Johannes und ich in Amritsar, einer Stadt im Nordwesten von Indien, um uns den Goldenen Tempel anzuschauen. Auch wenn es nur 500 Kilometer Entfernung sind, braucht der Zug natuerlich eine ganze Nacht (oder einen Tag), sodass wir die zusaetzlichen freien Tage um das Osterwochenende nutzen konnten, um scho n am Donnerstag loszufahren. So hatten wir die Moeglichkeit, den Tempel morgens und Abends zu sehen, und ihn in aller Ruhe in aller Pracht zu begutachten. Der Tempelkomplex ist eine der (wenn nicht sogar DIE) wichtigste(n) Pilgerstaetten der Sikhs. Neben den Hindus sind die Sikhs eine recht grosse Glaubensgruppe hier, die man als eine Art Mischung aus Hinduismus und Islam ansehen kann.

Das interessante am Tempel (neben dem Gold auf der Oberflaeche) ist vor allem: dass alle Arbeiter dort freiwillig sind: es gibt kostenlose Unterkuenfte fuer Gaeste (auch Auslaender), der Eintritt ist frei, es gibt kostenloses Essen und alles sieht auch noch Tipp Topp sauber aus. Das alles zusammen ist hier in Indien schon eine kleine Sensation.

Uns hat es jedenfalls gut gefallen, und falls jemand von euch mal in der Gegend ist, wuerde ich es definitiv als Abstecher empfehlen.

Die Grenze

Von Amritsar aus ist es nicht weit bis zur Grenze zu Pakistan, und dort gibt es neben dem “Blick auf die Andere Seite” ein allabendliches kleines Spektakel: Immer wenn die Sonne untergeht, wird die Grenze dicht gemacht, und die Soldaten marschieren hin und her, exerzieren ein bisschen und geben sich die Hand (Ja, echt. Der Inder dem Pakistani, und anders rum!). Wow, werdet ihr sagen, klingt ja super… Tja, fuer die Inder wie auch Pakistanies ist dieser Event eine Verkoerperung des guten alten Patriotismus. Daher gibt es um die Grenze herum eine Art zweigeteiltes Stadion (mit Zaun in der Mitte, die indische Seite hat mehr Sitzplaetze [ist ja auch das groessere Land], Die Fotos vermitteln hoffe ich einen ganz guten Eindruck). Das seltsame an der Zeremonie (fuer den intoleranten Westler) ist, dass das ganze Prozedere so lange vor sich hingeht. Wir standen schon ca. eine Stunde in der Menge, waehrend auf beiden Seiten die Musik droehnte, bevor der erste Soldat zum marschieren ansetzte. Aber es gab eine Art Moderator, der die Leute, die vor Freude tanzten, zum Hinsetzen aufforderte, nur um sie dann wenig spaeter mit Rufslogans wieder aus den Sesseln zu locken. Eine Achterbahn der Gefuehle sozusagen. Man konnte die Euphorie in der Luft quasi riechen…

Warum sind hier alle soo nett?

Speatestens als wir nach der Grenzshow wieder am Tempel waren, um unsere kostenlose UNterkunft anzuschauen, und dann mit einer Menge von (ungelogen) knapp 1000 Leuten in einem Raum zu Abend zu essen, wurde erneut klar: Die Sikhs sind echt super! Das sage ich nicht nur, weil in meinem Wohnviertel hauptsaechlich Sikhs wohnen (inkl. der Gastfamilie) sondern aus Ueberzeugung. Man hat schnell das positive Vorurteil gegenueber den Sikhs entwickelt, da die Maenner mit Turban einfach oft freundlicher und kompetenter erscheinen als der “Durchschnittsinder”. Man hat sich verlaufen, und weiss nicht weiter. Einfach in das naechste bessere Geschaeft, dort sitzt ein Sikh (am Turban oder Silber-Armreif zu erkennen), der gut Englisch spricht, den Weg weiss, und dabei nett ist. Das sind gleich 3 Dinge auf einmal, und hier in Indien wirklich keine Selbstverstaendlichkeit.

Was ne Hitze

Bisher war es hier nur warm, aber nun ist das Thermometer nochmal um 2 Grad gestiegen (von 36 zu 38 und mehr im Tagesdurchschnitt) und es wurde gleichzeitig auch noch feuchter. Wenn also nun ab und zu der Strom im Office oder zu hause ausfaellt, merkt man es mit Sicherheit, da die (zum Glueck ueberall laufenden) Ventilatoren sich verabschieden. Aber du muessen wir durch, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es in laufenden Monat noch waermer werden soll. Aber ich hab gehoert, ihr habt auch schon um die 25 Grad? Klingt nach Wuerste braten. Das einzige Fleisch das hier kocht, ist unser eigenes…

Der kleine und grosse Luxus fuer Zwischendurch

Wobei, was die Wuerstchen und Fleisch im Allgemeinen angeht, hatten wir am jetzigen Wochenende eine Ausnahme: Wir waren bei Daniela zum kochen, und es gab Kartoffelsalat, Sauerkraut, Schupfnudeln und Wuerstchen. Doch da man hier nicht so leicht an Fleisch (von guter Qualitaet) rankommt hat der Luxus seinen Preis: knapp 1000 Rupien fuer 10 Wuerste. D.h. 100 Rs. das Stueck. Fuer das Geld bekommt man fast ein ganzes Menu bei McDonalds oder kann 3 bis 4mal bei uns im Wohnviertel essen gehen. Aber gut, wer hohe Ansprueche hat, muss auch dafuer zahlen. Gut, dass ich nicht derjenige bin…

Die anderen Abenteuerer

Inwischen ist Uwe mal wieder in Delhi gewesen (vor und nach seinem grade absolvierten Meditations-um-4-Uhr-jeden-Morgen-Aufsteh-Kurs), Abdiisee ist wieder nach Deutschland geflogen (schoenen Gruss nach Berlin), und Stefan ist von einem 10-Tage Trip durch die Kaelte von Himachal Pradesh wieder gekommen. Dort waren zwischen 5 und 20 Grad, d.h. im muss es jetzt zurueck in Delhi so gegangen sein, wie morgen Claus (dem Neuen).

“Puhhh, is das warm hier.”

Der einzige Ausweg (zumindest am Wochenende): Das Schwimmbad. Aber nein, von bronzener Haut kann noch nicht wirklich sprechen. Wir halten uns natuerlich ausserhalb des Bads an den Kleidungskodex, daher ist quasi nur Gesicht, Nacken und Unterarm etwas braun. Der Rest bleibt bleich wie die Waende vom Buero.

Es sei den, wir machen was Stefan heute bei Lunch vorschlug: “Meinst du, das stoert die, wenn man in Badehose ins Office kommt?”

Ich glaube nicht. Eher, dass wir einen “neuen Supertrend aus Europa” zu etablieren beginnen.