Monatsarchiv für Oktober 2006

Zug fahren und andere Spaesse

Sonntag, den 29. Oktober 2006

Ich weiss nicht woran es lag, aber der Freitag in Hampi war einfach nicht toll… Schon waehrend ich den letzten Eintrag hier schrieb fuehlte sich mein Magen alles andere als gut an. Das Ganze zog sich bis gestern (Samstag) mit mehr oder weniger Problemen hin.

Daher verbrachte ich Freitag quasi nur im Bett, ausser dass ich morgens um 6 zusammen mit Nick den Sonnenaufgang beobachten ging und abends mit dem Zug nach Hyderabad weiter fuhr…

So verpasste ich zwar das Klettern in Hampi, durfte aber dennoch woanders klettern: naemlich auf den bereits abfahrenden Zug! Warum? Nachdem ich ca. 3 Stunden am Bahnhof rumgeduempelt war, kam ca. 22:40 der Zug (wie immer 20 Waggons). Ich wusste meine Waggon + Sitznummer (S 11, 63), was mir jedoch wenig half.

Waehrend die Waggons S 8, S 9 und S 10 an mir vorbei huschten, war auf dem naechsten Waggon keine Nummer: Also S 11, oder? Falsch, doch das festzustellen brauchte es mehr Zeit. Ich - als einer unter Hunderten - versuchte, durch eine der viel zu wenigen offenen Tueren in den Zug zu kommen (sie muessen von innen UND aussen per Hebel geoeffnet werden). Da innen drin (11 Uhr Nachts!) die meisten schliefen, waren somit nur wenige Tueren offen, an denen sich die Massen an Menschen stauten. Ich versuchte, in einen nahe an meinem (scheinbaren) Waggon gelegenen Eingang zu kommen, nur um nach 10 Minuten Quetschen festzustellen, dass dies die falsche (unter den 8 verschiedenen) Klasse war, und zum Nachbarwaggon keine Verbindung bestand. Also wieder raus! Vorbei quetschen an dem draengelnden Herrn, der Oma, ihrer Oma, den Kindern, den dicken Frauen, den Maennern, die noch in der Eingangstuer haengen. Gut, wieder auf dem Bahnsteig. Luft schnappen! Die naechste Tuer: Verschlossen! Die Leute daneben: super lustig: ~ “Sorry, hier ist nur fuer reservierte Plaetze, und wir liegen hier grade so schoen!” Die naechste Tuer: verschlossen, ein Mann auf der anderen Seite. Klopfen! Keine Reaktion? Mehr Klopfen! Er laueft weg? Toll, naechste Tuer, der Zug nimmt langsam Fahrt auf. Und? Richtig, verschlossen. Aber hey, ein Schaffner! Klopfen, kurzer blick, wirrer Wortwechsel, aber keine offenen Tuer. Ich greife in meine Hosentasche, druecke den Wisch gegen die Scheibe. Hoppla, 100 Rupien Schein. Neuer Versuch. Puhh, der Zug wird langsam schneller. Da ist das Ticket, ausgefaltet, gegen die Scheibe gepresst, der Schaffner liest in aller Ruhe, die Tuer oeffnet sich: Ich bin drin! Auf mal sind alle nett: “Ja, ha ha. Das hier ist der falsche Waggon, der hier faehrt nicht nach Hyderabad… Setzten sie sich erst mal, ich zeig ihnen spaeter den richtigen…”

Gut, sitzen, warten, verschnaufen. Ein Zug, der verschiedene Ziele mit verschiedenen Waggons ansteuert? Na gut… 2 dicke Kerle, beide angetrunken, einer telefoniert (mit einer Lautstaerke, als ob er seine Grossmutter am anderen Ende haette, und sie nebenbei noch nen Presslufthammer bedient). Das uebliche: Where are you from, how do you do, tra la la. Der Schaffner kommt zurueck “You want to go to your train now?” Ich folge ihm, er hat einen Schluessel, um die Verbindung zwischen den verschiedenen Klassen aufzuschliessen… Im naechsten Waggon ein traumhaftes Bild: Sleeper Class, voll bis oben hin. Auf jedem Bett sitzen mindestens 3 Leute, die Plaetze scheinen laecherlich ueberbucht. Dazwischen quetschen sich 2 Maenner hindurch, die mit ihren kleinen Papierzetteln versuchen, die zwanzig beleibten Damen, mit denen sie unterwegs sind, auf die richtigen Plaetze zu verteilen. Langsam lichtet sich das Chaos, ich wage mich durch bis zum anderen Ende des Waggons (mein Ziel in weiter Ferne). An diesem Ende herrscht Recht und Ordnung, jeder hat seinen Sitz. Gut, es sind auch Polizisten in Uniform… Nehmen sie sich das Recht nun raus, oder haben sie einfach bessere Tickets? Wer weiss, aber da kommen schon die Muttis, die noch verteilt werden muessen. Ich steh derweil vor der naechsten Trennwand (verschlossen, wer haette das gedacht). Einer der Polizisten ganz locker: “Da kommst du nicht durch, setz dich mal hin, bei der naechsten Station kannst du aussteigen, und wo anders wieder rein.” Toll, da um 12 nun sicherlich mehr Tueren auf sein werden, wenn der Zug in der Mitte von Nirgendwo haelt?! Doch was solls: neue Station, ich springe vom grade anhaltenden Zug, und warte eine Weile. Da! Waggon Sa 11 (in Hindi geschrieben). Der Zug hat immer noch nicht ganz gehalten, ich halte ich mich am Metallgriff des Eingangs fest, und hechte rein. Streife einen aussteige-willigen Inder leicht (”Easy, man”). Doch ich bin drin! Finde sogar meinen Sitz/ mein Bett auf Anhieb! Aber halt, was waehre diese Story ohne das naechste “Aber”? Aber der Sitz ist schon belegt, ein aelterer Herr holt sich seinen verdienten Schlaf. Toll, ich setze mich also hin, resigniere ein wenig, bis der naechste Schaffner kommt. “Wollen sie hier aussteigen?” Nein, nicht schon wieder. Er schaut mein Ticket an, gestikuliert, ich folge ihm, und er zeigt mir einen freien Platz. “Ist nicht so nah an den Toiletten, wegen Geruch und so…” Genau, was auch immer, Hauptsache: Schlafen!

Ein paar Stuendchen spaeter wache ich halbwegs entspannt auf, esse ein paar Kekse. Abwarten. Schlechtes Wetter. Irgendwann kommen wir dann an. Dieses Mal gabs keine guten Gespraechspartner, aber das Buch ist immer noch gut…

Raus aus dem Bahnhof, auf in die Rikshaw: zum Hotel Surhail, nicht zu weit weg. Reaktionen: “Ok, 50 Rupien. [viel zu viel]” - ”Oh, das ist kein gutes Hotel, ich fahr dich da und da hin, fuer …” - ”Oh, da ist es leider ausgebucht. Aber ich fahr dich…” Nein danke! 50 Meter weiter dann ein einzelner Rikshawfahrer, immer besser fuer solche Faelle. “Hotel Surhail!” - “???” 1. Versuch, 2. Versuch, der Verkauefer im Shop nebenan wird mit einbezogen. “Was, wie, wo?” Die Kopie vom Stadtplan aus Tina’s Lonely Planet kommt zum Vorschein. “Hotel Surhail?” Ich zeige drauf, er liest ein bisserl weiter, dann: “Hotel Surhel?” Kopfnicken, er gibt die Infos weiter zum Rikshawfahrer. Er schuettelt den Kopf beim Indischen Ja (links-rechts-Gewackel). Wie viel? “50 Rupies!” Na super! Wir einigen uns auf 25, er fragt auf halbem Weg nochmal nach, aber wir kommen an: Die Lobby sieht ganz gut aus, nur die Preise nicht. THE BOOK sagt, es soll 160 kosten, aber der Preis ist auf 200 gestiegen. Also? Draufzahlen, oder nochmal durch die halbe Stadt? Ich schau mir also den Raum an (quasi Doppelzimmer, TV, alles wunderbar). “Haben sie auch kleinere Zimmer?” Nein. Also gezahlt und eingecheckt.

Seid ihr noch da? Gut, dann mach ichs jetzt ein bisserl kuerzer: nachdem ich den halben Tag unterwegs war, ein bisserl in der Gegend rumgeschaut hatte, und mir auf dem Weg zu einer der Sehenswuerdigkeiten (auf Grund falscher Infos von Passanten) ziemlich verlaufen vorkam, ging ich zurueck ins Hotel, schlief, ging essen, schlief wieder, und schon war Sonntag.

Heute stand ich dann frueh auf, um mir die Sehenswuerdigkeiten anzusehen. Mit mehr Blick auf die Karte, und dem dennoch gleichen Weg wie am Tag davor kam ich irgendwann an: ich ging mit Regenschirm (immer noch kein tolles Wetter) und DigiCam bewaffnet an den Paar Ueberbleibseln aus den frueheren grossen Zeiten von Hyderabad vorbei. Char Minar, High Court, Mecca Masjid. Schon ganz nett, aber bei schlechtem Wetter und dem Wissen, das die wirklich grossen Sachen (Palaeste, usw.) heute alle den Betonbunkern gewichen sind, nicht ganz so erfuellend. Den Nachmittag verbrachte ich dann in der Naehe des kuenstlichen Sees im Zentrum von Hyderabad, genauer: im Prasad’s Multiplex. Kino + IMAX + Shoppingmall + amerikanisches Essen. Und ich mittendrin. Tausende von konsumfreudigen Indern. Das ist sie, die aufstrebende Mittelklasse, die jedem Strategen der internationalen Konzerne die Dollarzeichen in die Augen treibt. Und sie komsumieren. Nachdem ich im IMAX “Open Season” angeschaut hatte, kam ich mit 2 jungen Indern ins Gespraech. Sie luden mich auf eine Coke beim grossen M ein, einer der coolsten Plaetze fuer die junge Generation. Wir reden ueber Filme, Deutschland, Frauen, Zukunft. Gehen um den See ein bisserl spazieren, fahren dann 2 Stunden spaeter mit der Rikshaw eine Weile, bis sich unsere Wege trennen, und ich ins naechste Konsumzentrum gehe, um diesen Eintrag zu schreiben.

Es ist schwer, kurz zusammenzufassen, was fuer einen Eindruck ueber die jungen, aufstrebenden Inder die beiden hinterlassen haben, aber sie bestaetigen mehr die Befuerchtungen (~ “Die nehmen uns die Jobs weg!”) als die Vorurteile (~ “Die sind doch alle so pruede und verschlossen”).

Wenn ich mal wieder in Delhi bin (was bald sein sollte), werde ich sicherlich mal die Zeit finden, diese (und andere) Begegnungen und die folgenden Gedanken zu “Papier” zu bringen.

Bis dann

Durch die Nacht, durch den Tag

Donnerstag, den 26. Oktober 2006

Gut, die Entscheidung nach Hampi und Hyderabad zu fahren war etwas kurzfristig, und hat einen Nachteil: Nur 2 der 3 Tickets bis nach Delhi gehen ueber Nacht, sodass man die halbe Fahrt ueber schlafen kann. Das erste Ticket, von Goa (Zentrale: Madgaon) ging um sieben Uhr morgens.

Da ich aber erst seit einem Tag in Arambol war, wollte ich schon das Maximum an Zeit verbringen: d.h. bis Dienstag Abend bleiben, dann zum Bahnhof mit dem letzten Bus, ein bisserl Zug fahren (zum zentralen Bahnhof), die Nacht durchmachen, und ab Richtung Hampi.

Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: wir trafen in Arambol (nach Benaulim) wieder auf Daniel, einen echt netten Typen (Australier), der aus der Schweiz kam, dort seinen Job aufgab, um dann auf dem Landweg nach Asien zum kommen. D.h. er fuhr folgende Route bisher: Schweiz, Italien, Griechenland, Tuerkei, Iran, Pakistan, Indien. Dann kaufte er in Indien ein Motorrad, mit dem er seit 5 Monaten unterwegs ist. Bald gehts dann weiter nach u.a. Burma (Myanmar), dann nach Thailand, West Bengal, und mit etwas Glueck per Schiff nach Australien. So in etwa! Klingt einfach, oder?

Hinzu kommt, dass er (Schweizer) Deutsch spricht, Programmierer (das mit den Computern im dunkeln Kaemmerlein ;-)) ist, und gleichzeitig surfen, klettern, Drachenfliegen und was nicht noch alles kann. Und vor allem: mich mit dem Motorrad zum Bahnhof bringen!

Nachdem wir also gemeinsam Abend assen (wir drei Dehlianer und er), fuhren wir beide auf seinem Motorrad durch die Nacht. Ziel: der noerdlichste Bahnhof in Goa, am dichtesten dran, d.h. am besten zu finden… Nach einer Fahrt von ca. 45 Minuten kamen wir in diesem absoluten Dorfbahnhof an, um vom einzigen Menschen dort (dem Schaffner, Ticketverkauefer, was auch immer) zu hoeren, dass der Zug, mit dem ich zum anderen Bahnhof fahren wollte, hier nicht vorbeikommt. Jedenfalls verstanden wir das. Wir sollten doch einen Bahnhof weiter suedlich versuchen! 10 Kilometer weiter im Sueden von Goa war dort also ein etwas groesserer Bahnhof (Thivim), doch obwohl hier mehr Leute waren, war der Zug dafuer zwar da, jedoch vor 5 Minuten. Also konnte ich von 10:20 bis 12 Nachts am Bahnhof warten. Denn es gab (zum Glueck) noch einen Zug nach Madgaon, von dem ich vorher nichts wusste. Ein Gespraech mit einem mit wartenden jungen Inder, ein bisschen Buch lesen und auf die Uhr schielen spaeter kam dann auch schon der Zug mit rund 30 Minuten Verspaetung an, ich bekam nur einen Platz neben dem Ausgang und konnte mich eine (gefuehlte) gute Stunde spaeter im Warteraum des naechsten Bahnhofs ausruhen. Von halb 2, auf 2, auf 4, auf 5, gaeeehhhn, auf 6 auf 7 ass ich also ein paar Kekse, las ein gutes Buch (”The Age of Kali”, Essays ueber Indien) und wartete. Wartete. Und wartete. Ging zum Bahnsteig, fand per Zufall einen Inder, der in den gleichen Wagon musste, und hatte wieder ein gutes Gespraech (er kam wie der erste ebenfalls aus Delhi!).

So begann dann die Fahrt (wieder Slepper Class) von zehn vor Acht (30 Minuten Verspaetung) bis 4 am Nachmittag. Viel Buch lesen, ein bisschen Reden, aus dem Fenster schauen, und schwupps waren wir da. In Hospet, einer mittelgrossen Stadt in der Naehe von Hampi. Von dort nahmen der Inder und ich eine Rikshaw zum Busstand, und ich konnte direkt mit dem Bus weiter nach Hampi fahren. So kam ich gegen 5 im Gaestehaus an, nahm ein Zimmer, unterdrueckte die Muedigkeit, und ging die Gegend erkunden. Von den Ghats (das sind kleine Waschplateus nahe der indischen Fluesse) zwischen den Palmen durch, vorbei an immens grossen Steinen, und landete - einer Art Gebets-Singsang folgend - im nahegelegen Dorf. Dort sah ich einen schoenen Sonnenuntergang (ja, schon wieder) und wurde von 20 Kindern umringt, die immer wieder fotografiert werden wollten, und (in der Indischen “Offenheit”) staendig nach meinem Namen (~ “Was your Name?”), meinem Herkunftsland (~ “Was your country?!”), Geld oder Stiften fragten.

Nach dem Weg zurueck durch die Dunkelheit kam ich mit etwas Glueck zureuck ins Zentrum von Hampi, ass Abendbrot und ging noch schnell ins hiesige Polizeibuero, um mich (wie es empfohlen wird) in die Muehlen der Buerokratie einzutragen. Also mal wieder ein riesiges Buch, das mit allen moeglichen Infos (einfach alles) gefuellt wird, dann archiviert, und nie wieder angeschaut.

Auf dem Weg nach draussen kam ich dann mit einer anderen Reisenden ins Gespraech: Jet aus Holland, die nach einem 1monatigen Praktikum in Ernakulam (nahe Kochi [wo ich war!]) in einem Krankenhaus noch 2 Monate (mit ihrem Freund, sorry) reist, um dann wieder ihr Medizinstudium in Europa weiter zu fuehren. Wir fuehrten unser Gespraech im Restaurant fort, ich verschob den (guten) Gedanken an Schlaf auf spaeter, und wir verabredeten uns fuer heute, um gemeinsam mit Nick, einem Briten eine Fahrradtour durch die (unglaubliche Menge an) Ruinen von Hampi zu machen.

Gesagt, getan. Wir trafen uns, fruehstueckten, redeten, liehen Fahrraeder aus, und auf gings. Kurz gesagt: Wow, was fuer eine Menge an Ruinen, Steinen, Menschen, Wegen, und vielem mehr… Ich spar mal an Details, sonst verbringt ihr den halben Tag mit dem Lesen dieses Eintrages.

Nachdem Jet nun weiter gefahren ist, um ihren Zug nach Mumbai (Bombay) zu bekommen, haben Nick und ich uns fuer morgen, 6 Uhr verabredet, um den Sonnenaufgang sehen zu koennen, und spaeter ueber den nahe gelegenen Fluss zu schippern (ca. 10m Weg) und auf der anderen Seite einen (kleinen) Berg zu besteigen. Wenn ich mich an das Klettern/Wandern auf den Berg in Arambol mit Basti erinnere, freu ich mich schon jetzt… Mal sehen, ob sich die Vorfreude erfuellt.

noch 3…

Montag, den 23. Oktober 2006

Orte!

Jetzt sind wir in Arambol (immer noch Goa). Dann gehts am Mittwoch morgen fuer mich weiter nach Hampi und dann am Freitag weiter nach Hyderabad, waehrend Tina und Basti es sich noch ein paar Tage am Strand hier gut gehen lassen.

Ich geh derweil lieber noch ein bisschen Ruinen anschauen (in Hampi) und Hightechcity-Staunen (Hyderabad). Mal schaun was daraus wird. Die Tickets hab ich schon (nach einem knapp 1stuendigen Kampf mit der Buerokratie des Zugverkehrs).

Ansonsten ist hier mal wieder super Wetter, das Meer ist auch nass und voller Wellen. Das Essen gut, und ich freu mich so langsam schon wieder auf die neue/alte “Heimat” Delhi…

Doch bis dahin gibts noch viel zu erleben!

3 Monate

Samstag, den 21. Oktober 2006

Mann, wie die Zeit vergeht!

Ich kanns selbst kaum glauben, aber ich bin inzwischen rund 3 Monate hier in Indien. Und bisher kann ich mich eigentlich nur an gute Dinge erinnern. Wenn die Zeit weiter so rennt, bin ich schon schwupp-die-wupp wieder zu Hause in good old Germany…

Aber bis dahin gibt es sicherlich noch einiges mehr hier zu erleben: Leute treffen, komische (positive und negative) Erfahrungen machen. Und vor allem: Schwitzen. Jetzt grad hier im goanischen Internetcafe ist es grade so ertraeglich, aber wenn ich bedenke dass es in Mai/Juni in Delhi zirka 40 bis 45 Grad werden, bin ich schon ein bisserl froh, in der Zeit wieder ab ins kalte Deutschland zu kommen.

A propo kaltes Deutschland: Es wird mal wieder Zeit was von euch zu hoeren: Also raus mit den Mail! Schreibt was ihr wollt, wie ihr es wollt. Nur schreibt! ;-)

Schoenes Wochenende, bis dann

Morgens, kurz vor 4 in Goa

Donnerstag, den 19. Oktober 2006

Ja, da waren wir: Einen Tag spaeter als erwartet lagen wir heute frueh nach einer recht langen Zugfahrt (knapp 13 Stunden) in unserem Schlafabteil. Der Wecker sollte eigentlich um halb 5 klingeln, aber das Handy von Basti war leer. Zum Glueck, denn wir kamen mehr als eine Stunde eher in Goa an, als erwartet. Da Tina eh grade wach war, als wir in den Bahnhof einliefen, weckte sie uns auf die indische Art (schnelles, wildes Ruetteln an Armen oder Beinen der Schlafenden, als ob man sie in einen Teppich einrollen wollte). Wir schnappten unsere Sachen und gingen aus dem Zug. Glueck gehabt, 10 Minuten Aufenthalt, um sicher zu gehen das wir am richtigen Ort sind.

Dann ab zum naechsten Kaffeestand (ja, mit verdammt viel Zucker und Milch und um 4 am Morgen nehm ich auch welchen), ein bisserl (mehr) wach werden. Ein paar Kekse und Toast spaeter sassen wir dann in einer (verhaeltnissmaessig) riesigen Rikshaw (mit Tueren, total selten, vergleichbar mit einer Trabbi-Stretchlimo).

Und dann sassen wir auch schon am Strand von Benaulim, einem kleinen Ort direkt am Meer im kleinen Staate Goa. Ja, Goa ist nicht nur eine Stadt, sondern ein ganzer Staat. Und nein, bisher ist keine der Sachen-die-ich-mal-von-wem-gehoert-hab-ueber-diesen-Ort passiert.

Also setzten wir uns an die Promenade, die Hundegangs umstreiften uns, und so langsam kamen aus allen Ecken der Gegen aufwachende Inder (zumeist Fischer) die nun (um 5) ihren taeglichen Dienst begannen.

Waehrend die Sonne sich noch ein bisschen vor dem Aufwachen weigerte, lief ich den dunklen Strand entlang, und fand uns eine Bleibe. Wieder in einer Bambushuette, aber dieses Mal noch neuer, etwas groesser, und fast kein Stueck teurer (wir zahlen zu dritt 350 Rs [rund 6 Euro] fuer eine Uebernachtung, und das ist ein recht hoher Preis fuer unsere Verhaeltnisse).

Das interessante: der Laden hat vor 3 Tagen eroeffnet, aber zufaellig und unbeabsichtig den gleichen Namen fuer seine Unterkuenfte, wie ein anderer Ort hier im Dorf, wo die Huetten allerdings schon so langsam verrotten… Daher freute sich der Besitzer (oder Chef), der extra fuer uns um halb 6 morgens aus seiner (jetzt unserer) Huette ausgezogen war, umso mehr, als ihm Tina sagte, dass sie doch im Lonely Planet stehen (was fuer die Leute hier eine Art Lizenz zum Geld verdienen ist).

Ansonsten haben wir nach ein bisschen Nachholschlaf heute schon im Meer gebadet, die Seele baumeln lassen und ein bisschen den Wellen gelauscht.

Und ich hab aus einer frischen Kokusnuss getrunken.

Das nenne ich Urlaub!

Fischen & Kathakali

Montag, den 16. Oktober 2006

Ok, nun habe ich mir ein Bild von (Fort) Cochin (auch Kochi genannt) machen koennen:

Nachdem wir gestern Abend beim lecker Essen mit einem Amerikaner namens Donnie gesprochen hatten, brachte er die Idee auf, sich um 6 in der frueh zu treffen, um (in seinem Interesse als Semi-Profi-Fotograf) ein paar schicke Fotos vom Hafen und den dort genutzten chinesischen Fischnetzen zu machen.

Waehrend die anderen beiden an der Matratze horchten, machten sich also Donnie und ich auf, um in aller Herrgottsfruehe den Hafen zu erkunden: schon bald standen wir auf einem Steg, tranken Chai (also den typischen schwarzen Tee mit Zucker und Milch, mmhh) und zogen an den langen Seilen des Fischernetzes, gemeinsam mit den heimischen Fischern, die sich mit solchen “Komm doch her lieber Touri und schau mal”-Aktionen ein gutes Zubrot verdienen. Verstaendlich, da die Ausbeute im Moment recht mager ist (auf Grund der Witterung)…

Aber gut, es war ein schoenes Erlebnis (sowas wie Morgengymnastik) und daher auch ein paar Rupien wert…

Etwas spaeter trafen wir dann nach einem guten Spaziergang durch Kochi Tina und Basti zum Fruehstueck. Dann trennte sich auch schon wieder der Weg von Donnie, da er noch heute weiter nach Mumbai (Bombay) weiter geflogen ist. Aber wir treffen ihn vielleicht wieder, wenn er in Delhi vorbei schaut. Und a propo wieder treffen: just in diesem Moment kam grade Adam, einer der Leute aus Munnar hier in dieses Internetcafe… So klein ist die Welt, selbst in Indien.

Tja, dann gab es einen weiteren Spaziergang, ein bisserl ausspannen… und dann heute Abend waren wir (quasi bis vor 10 Minuten) bei einer Kathakali-Show. Kathakali ist eine klassische, suedindische Tanz-und-Theaterform, bei der sehr bunt geschminkte Maenner mit sehr bunten Kostuemen zu sehr lauter Musik (live Getrommel) mit sehr vielen Gesten eine sehr komplizierte Story darstellen. Im Normalfall dauert das bis zu 9 Stunden, die Taenzer hatten eine mindestens 5 Jahre lange Ausbildung, und sind so in ihrer Rolle, dass sie in Extase verfallen… Aber es gibt natuerlich auch die Touristenversion: nur 1 1/2 Stunden lang, nur ein Bruchteil der Story, und vorherigen Infos (die Story auf Deutsch/Hindi/Englisch/was auch immer + Erklaerung einiger Gesten und Mimiken). Dennoch ist es ein wenig schwer, der Story zu folgen, aber immer noch ein lohnenswertes Erlebnis.

Und morgen gehts schon wieder weiter in die naechste Stadt! Allerdings wissen wir noch nicht, wo wir ankommen koennen, da die meisten Zuege auf Grund von Feiertagen und Festivals ziemlich ueberbucht sind. Daher stehen wir morgen frueh auf, gehen zum Bahnhof, checken die Bahnen und Busse, und hoffen, so weit wie moeglich in Richtung Norden weiter zu kommen (Endziel: Goa). Schaun mer mal, wie das klappen wird…

sooo gruen

Sonntag, den 15. Oktober 2006

Grossartig!

Von einem super Ort zum naechsten! Das heisst, nachdem wir aus Kottayam weiter gefahren sind.. Dort gabs so gut wie nichts lohnenswertes zu sehen. Dafuer umso mehr in Munnar. Gute 4 Stunden Busfahrt durch die Serpentine in luftige Hoehen, aber auf jedenfall das Geruckel wert. Umgeben von Teeplantagen kann man wandern, Wasserfaelle bestaunen, die Hoehenluft geniessen, oder einfach die Seele baumeln lassen…

Und das haben wir in den letzten 2/3/4 Tagen (die Zeit fliegt, mich wundert ein wenig das heute schon Sonntag ist) so gut wie moeglich genutzt. Leider ging es Basti nicht allzu super, aber wir haben dennoch zumindest eine etwas weitere Tour (mit der Autorikshaw) hoch auf einen Aussichtspunkt (die sog. Top Station) gemacht. Gut 30 Km von Munnar entfernt, und ueber die Grenze nach Tamil Nadu verspricht der Ort eine traumhafte Aussicht. Sofern es nicht - wie in unserem Falle - zu diesig ist, um die naechste Bergkuppe zu sehen… Die super tolle Blume, die angeblich nur alle 12 Jahre blueht, und hier in der Gegend der absolute Hit fuer alle (vor allem Indischen) Touristen ist, stellte sich als ziemliche Enttaueschung heraus. Das Zeug sieht unserer 08/15 Heide ziemlich aehnlich…. Aber dennoch lohnte sich die Fahrt, und auf dem Weg gab es eine Menge schoene Aussichtspunkte ueber die scheinbar endlosen Teeplantagen.

Wo wir grade bei Tee sind: Tina und ich besuchten auch noch eine lokale Teefabrik, in der uns der Prozess vom Blatt bis zum Teekruemel veranschaulicht wurde. Achtung, jetzt mal was fuer die Bildung: Indien ist der groeste Teeexporteur (und Produzent) von Tee (vor China). Dennoch muessten sie schon anfangen zu importieren, sofern jeder Inder eine Tasse Tee pro Tag mehr trinken wuerde als dies nun der Fall ist…

Ansonsten bat sich die Moeglichkeit des Austausches mit einem Haufen anderer Reisender (leider jedoch erst ab gestern Abend), die fast zeitgleich alle in unserer Unterkunft eintrafen: 3 Daeninnen, 1 Englaender und eine Gruppe von 4 Jungs (Daene, Ami, Brasilianer und 1 Deutscher). Und auf dem Weg vom Aussichtspunkt abwaerts trafen wir noch in einer anderen Rikshaw einen anderen Deutschen! Den ein oder anderen von ihnen sehen wir vielleicht nochmal in Delhi, oder sogar in unserem momentanen Aufenthaltsort (Kochi).

Von Kochi kann ich noch nix erzaehlen, daher sag ich euch lieber wie gut die “Home Made Chocolate” in Munnar war. Scheinbar einer der wenigen Plaetze mit schokoladenfreundlichem Klima, gab es fast an jeder Strassenecke kleine Pakete mit (trotz gleicher Verpackung) angeblich selbst gemachter (und ziemlich leckerer) Schokolade. Wenn man wie wir in Delhi nur die zweitklassige Schokolade von Cadbury (englisches oder amerikanisches Niveau? Schwach jedenfalls!) zur Verfuegung hat, ist der Genuss noch ein zusaetzlicher Bonus fuer Munnar.

Schaun wir mal, wie Kochi so bei uns/mir punkten kann

Die Vertreibung aus dem Paradies

Mittwoch, den 11. Oktober 2006

Nein, so schlimm is es nicht! Wir sind schon freiwillig gegangen, wenn auch ein bisserl traurig.. Doch haetten wir den Ort nicht verlassen, wuerden wir wahrscheinlich noch in 2 Wochen an der Kueste sitzen und Essen und Trinken… Und wohl nie in Goa oder weiter im Norden von Kerala ankommen.

Also ab in den Zug nach Alleppey, dann ins Boot, durch die Backwaters und angekommen in Kollayam.

Und da sind wir: wieder lecker Essen, schickes Hotel und… morgen gehts weiter nach Munnar (in die Berge)

Fotos folgen demnaechst

Varkala, Kerala

Montag, den 9. Oktober 2006

Ok, der Wasserpark in Kaniyakumari war nicht all zu super (mit Wasser hatte er weniger zu tun, und wir waren quasi doppelt so nackt wie alle Inder, da wir Jungs als einzige keine T-Shirts trugen[ja, im Wasser] und Tina auch sehr schnell davon abgeraten wurde, im Bikini plus Oberteil gesehen zu werden). Das Wetter war ebenfalls nicht ganz so gut wie erwartet, also machten wir uns schon am naechsten Tag auf nach Kerala, zunaechst mit dem Bus, dann mit dem Zug.

Und da waren wir dann auch schon: Varkala, ein kleines Dorf direkt an der Westkueste Indiens, mit schicken kleinen Restaurants und netten (und vor allem ungewoehnlich vielen und noch dazu verhaeltnismaessig freizuegigen) Touristen [Frauen im Bikini!]. Aber das wichtigste: kleine, suesse schnuckelige Huetten aus Bambus mit Haengematten unter Palmen vor der Tuer…

Dazu noch frischer Fisch (am gleichen Tag gefangen, am Abend auf dem Teller [Hai, zum Beispiel]) und eine Menge Sonne, und man fuehlt sich fast wie im Paradies.

So kanns weiter gehen.

Seid bloss froh, dass ich grade meine Digitalkamera nicht dabei habe, sonst muesstet ihr auch noch neidisch auf die grossartigen Fotos schauen.

Aber bis dahin muesst ihr es wohl mit diesen Worten aushalten! Bis bald

Suedspitze!

Samstag, den 7. Oktober 2006

Wir sind da!
Gestern sind wir nach einer 6 Stunden langen Busfahrt an der Suedspitze von Indien angekommen: Kaniyakumari. Hier treffen sich 3 Meere! Und 3 Deutsche schlafen in einem 2er Zimmer in einem Mittelklassehotel. Gehen dann aber zum Fruehstuecken ins beste Hotel am Platz und danach in das hoffentlich ganz gute Abenteuer-Erlebnis-Super-Mega-Wasserbad. Wenn’s besser is als das Internetcafe in dem wir grade sitzen (die Butze am Ende eines kleinen Kloederladens), dann sind wir gluecklich.
Demnaechst gehts dann weiter durch Kerala wieder in den Norden. Langfristiges Ziel ist Goa, davor gibts aber noch einige gute Straende, Staedte und Restaurants zu entdecken.
Also dranbleiben!