Monatsarchiv für September 2006

Ab in den Sueden…

Freitag, den 29. September 2006

… der Sonne hinterher.

Ich weiss, das ist mal wirklich ein echt abgedroschener Spruch, aber es stimmt: Waehrend es hier in Delhi einen seltsamen Wetterwandel gibt, und viele Leute krank werden (siehe Susi und Tobi), machen wir (Tina, Basti und ich) uns auf in Richtung Chennai (Hauptstadt von Tamil Nadu), knapp 2100 Km (in Worten Zweitausendeinhundert) weiter im Sueden von Indien gelegen. Zum Vergleich: Von Stockholm bis nach Rom sinds nur rund 1980 Km.

Aber ich hab noch nicht gesagt, das wir ja noch weiter fahren, langfristig bis an die Suedspitze von Indien, und dann an der Westkueste wieder hoch bis nach Goa. Da koennte man dann die Strecken denke ich ganz gut mit einer Tour quer durch Europa vergleichen…

Ich werde versuchen, euch auf jeden Fall auf dem Laufenden zu halten, wo wir grade sind, und vor allem was wir grade grossartiges erleben. Auf das euch ein bisschen von der Sonne, die uns auf den Kopf knallt, den Tag in Deutschland versuesst. (oder so aehnlich)

Also bis bald!

Nachts sind alle Staedte schoen

Dienstag, den 26. September 2006

Ich weiss, langsam wird der Spruch langweilig, aber: Was fuer ein Wochenende!

So ein bisschen merkt man, das hier Arbeitsalltag einkehrt. Zumindest scheinen in meiner Erinnerung die Wochenenden ungefaehr doppelt so vieles erwaehnenswertes zu enthalten, wie der Rest der Woche. Aber nein, das heisst nicht, das die Arbeit deswegen langweilig wird. Wie auch immer…

Am Freitag waren wir Jungs beim “Goldonkel” zu Hause eingeladen. Das ist mein Spitzname fuer Paul, den Schwiegervater der Tochter unserer Gastfamilie (ja, indische Beziehungsgeflechte sind nicht ganz so leicht). Unsere Gastfamilie hat 3 Kinder (2 Soehne + eine Tochter). Die Tochter ist verheiratet und hat vor knapp 3 Monaten ein Kind mit ihrem Mann bekommen. Der Mann wiederum, wie auch sein Vater, der besagte Goldonkel sind regelmaessige Gaeste bei Sunita und den anderen bei uns im Haus. Das ist auch ganz gut, da sie im Gegensatz zum Rest der Familie Englisch koennen. Falls es sonst was zu uebersetzen gibt, bekomme ich immer von Sunita, der Gastmutter den Telefonhoerer in die Hand, am anderen Ende sitzt dann einer anderen beiden Maenner.

Alles klar? Nun zurueck zum eigentlichen: wir waren nunmal auch dort zu Besuch, echt ein schickes Reihenhaus (in einem anderen Viertel von Delhi), es gab quasi staendig Essen (Bananen, Aepfel, Kekse, dann Chicken Wings, Chicken Wings und irgendwann gegen 1 auch das “Abend”essen.. Alles in allem also ein sehr lustiger und vor allem laaanger Abend.

Am Samstag trafen wir uns dann mit den Maedels um 11 im Max Mueller Bhavan, um spaeter ins Arts & Crafts Museum zu gehen. Doch schon der erste Termin gab zwei Ueberraschungen: 1. wir waren mal wieder vieeel zu spaet (lange Nacht, wenig Schlaf, die ueblichen Ausreden) und Susi war allein. Tina sass waehrenddessen beim Elternsprechtag in der Schule, in der sie arbeitet. Also trafen wir uns alle um 3 am Nachmittag im Museum. Mit von der Partie war auch Sebastian (der zweite), der in einem Projekt von Prayas, einer anderen NGO hier in Delhi arbeitet und vor einiger Zeit mit uns in Kontakt getreten ist.

Nach dem kulturellen Teil des Tages ging es in 2 Rikshaws weiter zu Angels in my Kitchen, der grossartigen Konditorei. Das bloede war nur, das unser Fahrer einfach absolut keine Ahnung hatte. Wir wollten zur “Defence Colony”, sagten ihm das 5mal und landeten dennoch in der “New Friends Colony”, ca. 5 Kilometer in die andere Richtung. Als wir dann ohne zu zahlen gehen wollten, um uns eine neue Rikshaw zu suchen (der Typ wusste nicht mal wo Defence Colony ist), lief er uns eine Ewigkeit hinterher, bis wir ihm schliesslich die Haelfte des ausgehandelten Geldes gaben…

Dann kamen wir dennoch irgendwann in der Konditorei an, mussten aber ewig warten, da die 3 Kellner mit den knapp 30 Gaesten stark ueberfordert zu sein schienen.

Am Sonntag traf ich dann - gemeinsam mit Tina und Basti - Allard, den Freund von Rudine (der Hollaenderin), der seinen letzten Tag in Indien zur Haelfte mit uns verbrachte, nachdem er knappe 4 Wochen unterwegs (Goa, Mumbai, Himalaya, etc.) war. Er gab uns 2 SIM-Karten, sodass jetzt noch mehr Leute (ausser mir mit meinem uralten Schrotthaendy) mobil erreichbar sind.

Eigentlich wollte Susi auch mit zum Treffen am Connaugh Place kommen, doch genau wie Tobi wurde sie an diesem Wochenende krank (Fieber und mehr, wir befinden uns grade wieder in einer Art Klimawechsel hier, d.h. das Wetter schlaegt komisch um sich).

Somit kam nur Tina mit zur Wohnung von Sunita (die aber immer noch beim Goldonkel zu Hause war). Wir 3 Deutsche (Basti, Tina und ich) sassen also im Wohnzimmer mit dem Mann von Sunita, der quasi null Englisch spricht, und bereiteten mit Lonely Planet (THE BOOK!) und anderen Buechern (ok, die anderen braucht man eigentlich nicht) unseren Trip gen Sueden vor.

Zwischendurch rief Sunita an, um sich zu entschuldigen, da sie weiterhin bei Paul zu Hause sass, um mit ihm gemeinsam dessen Frau in Richtung England zu verabschieden (wo sie wiederum ihren aeltesten Sohn + Frau besucht).

Tina wurde ueberredet, bis zum Essen zu bleiben, wir holten uns noch eins von diesen riesigen Bieren, und als dann der Strom mal wieder ausfiel, gingen wir auf das Dach des Hauses (ja, alleine mit Tina, ohne Anstandswauwau, aber ja, wir wohnen noch immer dort). Und ehrlich gesagt, wenn der Strom ausgefallen ist, und die Stadt fast (bis auf die Metro und einige Tempel und Konsumtempel (= Malls, nach amerikanischem “Vorbild”) im dunkeln liegt, ist Delhi fast noch schoener…

Und da faellt mir wieder der Spruch von Basti ein, als wir neulich durch unser Viertel liefen: “Nachts sieht’s hier eigentlich viel besser aus, dann sieht man den ganzen Staub und Dreck nicht so sehr”.

Unverhofft kommt oft

Freitag, den 22. September 2006

Puhh, was fuer ein Tag. Ich sitze grade vor meinem PC in der Mittagspause (mann, war das Essen gut). - Und? Was is daran so toll? - Naja, wir haben heute das allmonatliche Staff Meeting, d.h. alle Abteilungen treffen sich im Keller vom Main Office und zeigen dort mit einer kurzen Powerpoint-Praese ihre aktuellen Erfolge.

Gut, ich dachte, jeder Einzelne. Daher war es ein bisschen hektisch, nachdem ich heute morgen um 9 vom Meeting erfuhr, mit den Worten “jeder stellt seine Arbeit vor”. Also ran an den PC und innerhalb einer guten halben Stunde eine kurze Praesentation zusammengeschmissen. Ich dachte es faengt um halb 10 an, war dann aber doch 10, nein um 11 (mit jedem den man fragt, wirds spaeter). Und dann kamen auch noch die meisten zu spaet… Naja.

Jedenfalls dachte ich mir “keep it simple”, also schwarz auf weiss, 6 Folien, davon eine Titel und eine “thank you”.Also so kurz wie moeglich, und so lang wie noetig: 2 Seiten mit Inhalt und 2 Seiten mit Screenshots (d.h. Vorschaubilder vom aktuellen Stand).

Nicht ueberwaeltigend, aber naja (ich weiss, Eigenlob stinkt) … besser als die Anderen.

So wurden bei den Vorgaengervortraegen vor allem Texte und Fakten sowohl gezeigt (in der Praese) und auch vorgelesen… Das erinnerte mich an einen grossartigen Artikel, den ich vor laengerer Zeit mal zufaellig gefunden hab, die 10-20-30 Regel. D.h. 10 Folien, 20 Minuten, und kein Text kleiner als Schriftgroesse 30. Hart, aber gut. Denn man will ja keinen Vorlesewettbewerb gewinnen, sondern Leute begeistern. Und wer den ganzen Text mit projeziert, wird zwangslauefig ueberholt von den Zuschauern, da deren Augen schneller sind als der Mund des Sprechers.

Gut, ich hatte also wenig Text, aber (wie immer ;-) ) viele Worte, was dazu gefuehrt hat, das der Zeitverzug mit dem Terminplan noch ein bisschen groesser wurde, aber jetzt wissen denke ich alle ein bisschen Bescheid wer ich bin und was ich mach und was damit auf sie zukommt.

Zumindest in groben Zuegen!

Die Bilder habe ich uebrigens nicht ohne Grund hochgeladen… Ich lade euch alle ein, mir Feedback jeglicher Art zu schicken.
Und wenn euch Webseiten nicht interessieren (abgesehen von dieser hier natuerlich), schreibt mir einfach wie’s euch geht und was ihr so macht!

Schoenes Wochenende

Ach JA: Ich fahr naechsten Monat weg! 4 Wochen Sued-Indien. Mit dem Zug von Delhi nach Chennai (33 Stunden fuer ca. 10 Euro). Und dann Sued-Tour bis hoch nach Goa… Hmmmmm. Das wird fein! Aber hey, euer Wetter wird bestimmt auch toll

3 Us

Dienstag, den 19. September 2006

Was? 3 Us? Ja, U. Der Buchstabe. Ihr wisst schon ABC und so weiter…

Ich weiss, komischer Titel, aber es fasst die letzten Tage denk ich ganz gut zusammen:

U 1
Am Samstag morgen ist ein weiterer Freiwilliger aus Deutschland angekommen: Urs. Wie die meisten hier ist er 19, ein Kerl (also Ersatz-Zivi wie ich) und natuerlich kraeftig am schwitzen. Aber das kann keiner von uns so ganz los werden. Man gewoehnt sich zwar einigermassen an das Klima (seehr feucht, und warm), aber so richtig verschont bleibt man nie. Vor allem nicht, wenn man wie Urs am Montag seinen ersten Arbeitstag mit einer indischen Busfahrt beginnt. Gruppensauna ist denke ich das bessere Wort dafuer…
Naja, er gewoehnt sich so langsam ein und wird zukuenftig wohl mit Sebastian zusammen beim Education on Wheels Projekt mitarbeiten. Und das kommt so langsam nun endlich auch ins Rollen, d.h. der Bus faehrt jetzt zu den einzelnen Orten in den Slums, wo sich die Zielgruppe (arbeitende Kinder) befindet. Dort wird dann mit vielen bunten Bildern, einem Fernseher und einem PC fuer den regelmaessigen Schulbesuch geworben.

U 2
Dieses U steht fuer unglaublich viele Filme und unglaublich lecker. Wir waren am Wochenende bei einem Filmfestival (”Open Frame”) hier in Delhi, und haben uns eine Menge Kurz-, Mittel- und Dokumentarfilme angeschaut. Darfur, Strassenkinder, Umwelt, Muetter in Rollstuehlen und vieles mehr waren einige der Themen des von der UNESCO unterstuetzen Festivals. Und das beste: wie bei fast jeder kulturellen Veranstaltung hier in Delhi war der Eintritt frei. Und der Raum klimatisiert. Und die Sitze superbequem. Das beim Eintritt gesparte Geld investierten wir an diesem Wochenende anderweitig, naemlich in suesse Sachen. “Angels in my Kitchen” ist der Name einer Baeckerei, die zu leider fuer indische Verhaeltnisse recht teuren Preisen allerlei Leckereien vom Schokoladenvulkan bis zur Zimtschnecke anbietet. Mmhhh….

U 3
Das letzte U steht fuer ungestoertes Arbeiten. Ja, ich schotte mich im Moment ein bisschen von den Kollegen ab, indem ich meine westliche Musik ueber den Discman hoere, waehrend ich am PC sitze… Aber nicht ohne Grund. Es ermoeglicht mir konstanteres Arbeiten mit hoeherem Tempo und mehr Spass. Das heisst, langfristig profitieren alle davon… Wie kam ich auf die Idee? In den Tiefen des Internets traf ich auf einen netten Artikel, der davon sprach, dass man oftmals mit 1 bis 2 Stunden konzentriertem und ununterbrochenem Arbeiten oft mehr schafft, als an manchem ganzen Arbeitstag. Und um in diesen “Flow” zu kommen, hilft es, sich von allen Ablenkungen zu befreien. Gut, Musik mag auch ablenken, aber gleichzeitig blockt es auch vieles anderes ab…
Jedenfalls komme ich inzwischen (auch dank der Musik) ganz gut vorran. Inzwischen habe ich auch meine alten Dateien wieder, die fuer gut 2 Wochen auf einer scheinbar kaputten Festplatte rumlagen. Der Typ, der hier fuer die PCs zustaendig ist, kam leider vor lauter Arbeit nicht dazu, die Sachen vernuenftig wieder herzustellen (ausser [nach 10 Stunden Bearbeitungszeit] mit kryptischen Namen versehen, und nach Dateityp geordnet => 22.000 Dateien und keine Uebersicht). Also hab ich mir irgendwann die Festplatte geschnappt, an diesen PC angeschlossen, Wiederherstellungs-Software runtergeladen. Und nach einer halben Stunde hatte ich meine wichtigen Daten mit dem Entwurf des Webseiten-Layouts wieder… Tja, so einfach kann es gehen.

Aber was Effizienz und Arbeitspraxis angeht, laesst sich hier (vor allem bei Deepalaya) eh noch einiges machen. Daher denke ich, dass es hier auch noch einige Arbeit im Main Office geben wird… Klar, ich bin dann zwar nicht an vorderster Front, um den Kindern zu helfen, aber wenn ich dazu beitragen kann, dass die Zeit zwischen der Aufnahme eines neuen Spendenkindes ins Register und dem Finden eines potenziellen Spenders drastisch verringert wird, sollte ich das doch tun, oder? Quasi langfristige Wertschoepfung ermoeglichen…

Outsourcing im Hinduismus

Donnerstag, den 14. September 2006

Eigentlich wollte ich diesen Eintrag mit der Beschreibung eines weiteren grandiosen TV-Films beginnen, aber dann dachte ich “Halt! Die denken doch ich haeng hier nur vor der Glotze”

Daher zunaechst: Am Montag Abend waren wir 5 bei einer Tanzvorfuehrung im Indischen Stil, d.h. laut, bunt, und … vom Glauben beeinflusst. Waehrend auf der Buehne die Taenzerinnen und Taenzer (ja, gibts sogar im prueden Indien) ihre Hueften bewegten, schallte aus 2 gigantischen Lautsprechern zumeist eine maennliche Stimme zu orientalischen Klaengen und einer passenden Video - Bilder - Abfolge uns Zuschauern entgegen. Die Thematik war der Lebensweg von Krishna (Geburt, Jugend, und ein bisserl weiter). Und da wir immer noch nicht soooo gut Hindi koennen, wurde es mit der Zeit ein bisschen nervig, das Wort Krishna alle 10 Sekunden um die Ohren geblasen zu bekommen. Aber naja, so ist Kunst nunmal. Entweder man mag es, oder man ist einfach nicht offen genug fuer die Botschaften und Inhalte.

Als wir den Saal mit bequemen Sesseln und der oberen Mittelklasse der Inder verliessen, wurden wir als erstes fotografiert, und als naechstes kam eine Reporterin der “Times of India”, einer der groessten Tageszeitungen Indiens, auf uns zu, “um uns ein paar Fragen zu stellen”…

Gut, etwa 50 Prozent der Zeit mit ihr gingen dafuer drauf, dass wir ihr unsere Namen wieder und wieder buchstabieren mussten, damit sie diese richtig auf ihr professionelles Schmierblatt kritzeln konnte. Danach kamen dann Fragen wie “und, wie wars? habt ihr was verstanden? was macht ihr hier eigentlich?” - Wir ganz stolz: “We’re working as VOLUNTEERS. FOR AN ENNN-GEEE-OOOHHHH.” [= Wir sind hier Freiwillige, und arbeiten fuer eine NGO (Yeah!)]

Gut, nun aber zum Film (sorry fuer die Wartezeit):
Es ging um einen Kerl, der fuer einen Tag Premierminister von Indien werden durfte (dann auch etwas laenger blieb). Der Praesident hatte mit ihm gewettet, das er es keinen einzigen Tag schaffen koennte, die Verantwortung zu tragen. Doch er sollte eines besseren belehrt werden…

Der Typ kommt also in sein Buero mit den tausend Angestellten, nimmt sich nur den persoenlichen Berater und einen Kerl mit, der eine Schreibmaschine vor den Bauch gebunden hat, und dann: Ab auf die Strasse, mal sehn wie es dem Volk eigentlich so geht. Gefolgt immer von einem Tross aus Journalisten und Fernsehkameras. Also auf zu einem Campus, wo gerade ein paar Maenner eine Menge Frauen unsittlich anfassen. Die Polizisten tun nicht wirklich was, also ZACK “Wie heissen sie?” - Antwort - Tipp, Tipp, Tipp, Unterschrift - “You are fired!”

Weiter zum naechsten Problemfall, einem echten Sumpf des Verbrechens. Zunaechst entzieht er einem Strassenhaendler die Lizenz, weil der ganz unauffaellig einen dicken Metallklotz unten an einer seiner Waagschalen befestigt. Dann weiter zu den richtigen Unholden.

Die 4 boesen Buben sitzen grade am Tisch, spielen Karten, im Hintergrund der Fernseher, der die Live-Bilder vom Ankommenden Supertyp zeigt. Die Tuer geht auf, ein Kameramann kommt rueckwaerts reingelaufen, der Held hinterher. Blickt dem Schurken tief in die Augen - Flashback - “Hey, das ist doch der Typ, der damals…” Also Schnitt, auf mal ist der Held allein mit jetzt ploetzlich 6 Kerlen auf dem Dach des Hauses, sie liefern sich eine Schlaegerei. Dann springt der Oberschurke vom Haus auf einen vorbeifahrenden doppelstoeckigen Bus [die Dinger gibts nur in Mumbai/Bombay -> Bollywood], der Held auf den naechsten, und ab hinterher. Sie treten, schlagen, aechzen und keuchen, mal der eine auf dem einen, dann auf dem anderen Bus. Ploetzlich faellt der Held vom Bus, landet auf der Strasse, bekommt aber noch das Trittbrett zu fassen, und rutscht 20 Meter nur auf seiner Guertelschnalle hinter dem Bus her. Dann richtet er sich ploetzlich auf, und laueft mit Haenden und Fuessen zwischen den beiden Bussen wieder hoch aufs Dach. Nun kriegt der Fiesling richtig Saures, im naechsten Moment sind er und seine Kumpane alle nur noch in Unterhose und Handschelen auf der Strasse zu sehen, um sie herum die angegrapschten Frauen von vorher, die boese ueber sie schimpfen…. Ende? Neeeeiiinnnn.

Unser Held geht zurueck ins Rathaus/Parlament/was auch immer, hat einen Haufen Polizisten dabei (die noch nicht gefeuerten), und laesste alle Politiker und Abgeordneten verhaften, da sie ja eh alle korrupt sind… Nachdem er also das Parlament aufgeloest hat, geht er noch weiter, und entmachtet den Praesidenten (kommt euch das auch so bekannt vor? ja, der Typ hier hat auch einen “Schnurrbart”)

Das ging dann aber doch zu weit, und er macht sich (verstaendlich, oder?) eine Menge Feinde. In der naechsten Szene, in der er mit einer Rikshaw auf einer dunklen, einsamen Strasse nach Hause gefahren wird, passiert es also. Er wird ploetzlich von zwei weiteren Rikshaws eingekeilt, aus denen ihm lauter Messer entgegenkommen. Auf dem Dach ist auch noch ein Typ, mit einer Lanze, der das halbe Dach durchbohrt. Aber nein, er waehre ja nicht der Held wenn er das nicht uebersteht…

Aber er faellt aus dem “Auto”, direkt in die Naehe einer Tankstelle. Die Typen haben jetzt nur noch Knueppel, knueppeln ihm also kraeftig ueber die Ruebe, und dann. Schuetten sie Benzin ueber in, machen ein Streichholz an “Trommelwirbel”, es brennt, er steht auf (mit letzter Kraft), rennt los, das Feuer ihm hinterher. Er zieht ein Kleidungsstueck nach dem anderen aus, springt von der naechsten Bruecke grade noch mit brennendem Ruecken in einen Schlammsumpf, und ist erstmal wieder gerettet….

Doch es kommt noch besser: Er steht auf, sieht jetzt aus wie eine graue Miniatur vom HULK, hat nun auch dessen Kraefte, und liefert sich nun auf einmal eine neue Schlaegerei auf dem nahegelegenen Schrottplatz. Autos werden geworfen (ja, geworfen), Knocken knacken, Glas splittert, und Matrixeffekte werden fleissig geklaut. Ganz grosses Popcorn-Kino.

Wenig spaeter kommt er raus aus dem Schlammassel, wird mit Wasser und Milch (war grade mehr als Wasser da) sauber gewaschen, neu eingekleidet, und mit Ketten umhaengt. Kurz: Vom Volk gefeiert…

Dann faehrt er in sein Heimatdorf, wird dort auch gefeiert, trifft seine Jugendliebe… Und grade als sie anfangen wollen, zu singen (Ja, das fehlt auch in diesem Film nicht)…. schaltet der Vater den Sender um… Naja, wer brauch auch schon das uebliche melancholische Gesuelze, das es in jedem Film gibt… Es war eh schon wieder 11 und Zeit fuers Bett.

A propo gefeiert werden: Ich hab grade erfahren, das wir tatsaechlich in der Times of India sind, mit Bild und in den Mund gelegten Worten. Ich mach gleich ein Foto davon, dann seht ihr es.

Und von was anderem schicken hab ich auch noch ein Foto.

Und warum heisst dieser Eintrag nochmal so komisch? Tja, das ist noch wieder eine andere Geschichte: Waehrend ich grade “The World is Flat” von Thomas Friedman lese, in dem es um Globalisierung und ihre Faktoren und Auswirkungen geht, liest Basti “Shiva tanzt - Das Indien-Lesebuch”. Doch beide zeigen an manchen Stellen Aehnlichkeiten. Achtung, jetzt wirds wissenschaftlich: In meinem Buch wird davon gesprochen, wie jede Arbeit heutzutage in einzelne Stuecke zerlegt wird, damit jedes einzelne der vielen Puzzelteile vom guenstigsten / besten Anbieter bearbeitet werden kann. Daher gibts hier soviele Callcenter…

Kurzfassung: Jede Aufgabe hat ihren eigenen Spezialisten. Neuer Trend? Von wegen, die Inder machen das schon lange so, und zwar in ihrem (zumeist hinduistischen) Glauben. Es gibt fuer jeden Problemfall einen einzelnen Gott. Zum Beispiel fuer koerperliche Gesundheit, oder fuer schoene Handschrift (ein Favorit der Schueler). Macht Sinn oder? Ganz realistisch und oekonomisch betrachtet: Stellt euch Glauben vor wie ein Telefongespraech. Ihr wollt was erledigt haben, also braucht ihr Hilfe. Wollt ihr lieber eine Leitung, die staendig besetzt ist, weil Alle dort wegen jedem Wehwechen anrufen, oder lieber einen Spezialisten, der sich nur um euer Problem kuemmern kann, dafuer aber eher Zeit fuer euch und eure Leidensgenossen hat…

Wieder was gelernt!

I like “Schnitzel”

Montag, den 11. September 2006

Nein, so viel Fleisch auf einem Haufen werde ich hier wohl nie zu Gesicht bekommen…
Aber darum gehts bei dem Spruch auch nicht. Vielmehr ist es die sinnbildliche Zusammenfassung des letzten Wochenendes. - Was bitte? - Naja, wir waren mal wieder viel unterwegs (am Samstag beim Red Fort und am Sonntag beim Akshardham Tempel), und trafen dabei viele viele Leute die uns einfach ueberall hin fahren wollten…

D.h. alle Nase lang wurden wir 5 (Tina, Susi, Basti, Tobi und ich [ja, Abkuerzungen sind nicht nur fuer die Inder hilfreich]) von Rikshawfahrern jeder Art (Auto, Fahrrad usw.) angesprochen. Immer mit der einfachen aber doch irgendwann penetranten Frage: “You like Rikshaw?”

Basti’s einfache Antwort: “I like Schnitzel!” Gut, nicht das sie das auch nur ansatzweise verstanden haetten, aber fuer uns wars trotzdem lustig.

Abgesehen von der Aufrechterhaltung des deutschen Humors brachte das Wochenende vor allem die o.g. Sehenswuerdigkeiten: Am Samstag das Red Fort (wie alles bisher in Delhi), eine der groessten Staetten aus der Zeit der [… Sachinformationen bitte selbst einfuegen …]
Jedenfalls ein echt schickes Teil, grosse Mauern und viele Leute. Das Essensmenu im Restaurant war ein bisschen duerftig (siehe Fotos), aber wir sind ja nicht anspruchsvoll…

Danach ging es weiter zur nahe gelegenen Moschee, der groessten in Delhi, die neben den hunderten Tauben auch eine klasse Aussicht ueber ganz Delhi bietet.

Am Nachmittag machten wir mal wieder den CP (= Connaugh Place) unsicher, und verbanden einheimisches (leckere Samosas vom Strassenstand) mit westlichem (Eis von McDoof).

Der Sonntag brachte neben mal wieder ein bisschen mehr Schlaf dann einen (fuer mich erneuten) Besuch beim riesengrossen Akshardham Tempel. Dieses Mal blieben wir allerdings lang genug, um ab Abend auch noch die Musical Fountain, also eine Wasser/ Musik und Lichtshow zu sehen. Und es hat sich denke ich gelohnt…

An sonsten laueft hier alles seinen “gewohnten” Gang, ich arbeite an der Webseite, die Anderen gewoehnen sich (mehr oder weniger) an den Arbeitsalltag in den verschiedenen Schulprojekten, und die Naechsten Deutschen haben sich auch schon angekuendigt.

Ach ja, und wir machen uns schon Gedanken ueber den ersten Urlaub. Doch dazu spaeter mehr, sonst seid ihr zu lange neidisch.

Bis demnaechst

Kuehe, Affen und blaue Helden

Dienstag, den 5. September 2006

Mann Mann, was fuer ein Wochenende.

Am Freitag Abend ist Sebastian angekommen, wurde allerdings auf Grund von Missverstaendnissen leider nicht abgeholt, hat eine Rikshaw zum Main Office genommen (zu einem Preis fuer den er eigentlich die Rikshaw haette behalten duerfen), um dann am Samstag morgen gemeinsam mit dem inzwischen ebenfalls gelandeten Tobias von mir abgeholt zu werden. (Furchbarer Satzbau, oder?)

Nach dem ersten Kontakt mit der Gastfamilie und dem Essen gings dann gemeinsam mit der Metro und der Rikshaw zum Max Mueller Bhavan. Dort trafen wir dann Susanne und Tina, die sich grade in einem Gespraech (auf Deutsch) mit ein paar extrem lernwilligen Indern befanden. Einer von ihnen sprach echt verdammt gutes Deutsch. (Davon koennten sich teilweise Leute in Deutschland noch was abschauen)

Am Abend zurueck in der Wohnung mit den Jungs gabs lecker essen, und ich machte mich gemeinsam mit Gargun (dem Sohn der Familiy) auf in Richtung Fahrradgeschaeft. Warum? Da mein Weg zum Main Office zu lang zum laufen ist, und der Bus nicht grade die beste Strecke faehrt, hatte ich mir ueberlegt, ein Fahrrad zu kaufen. WAS? Hat der Typ zuviel Geld, oder was? - Nein, aber es ist eine Investion in Mobilitaet. Plus, ich verkaufe das Fahrrad hinterher an den Sohn, sodass ich nicht die ganzen 3000 Rs (ca. 50 Euro, ja nicht mehr) dafuer zahlen muss. An diesem Abend suchten wir uns dann gemeinsam ein schickes Modell zu einem moderaten Preis aus, um es am Sonntag morgen abzuholen.

Gesagt, getan. Als wir am naechsten Tag wieder beim Laden waren, wurde das Rad bereits hergerichtet, und wir konnten es bald mitnehmen. Die erste Probefahr zeigte, das man eigentlich keine Gangschaltung braucht, wenn man ein Rennrad-aehnliches, ziemlich leichtes Fahrrad faehrt (von der Fahrt heute morgen zum Main Office kann ich sagen, JA! Das Ding ist schnell. Und das Beste: Hormonschuebe jeglicher Couleur sind gratis dabei…) Wegen seiner schicken Farbe und der coolen Marke nenne ich das Fahrrad von nun an den “Blauen Helden”.

Doch weg von den technischen Spielereien und zurueck zu den echten Menschen… Am Nachmittag fuhren Sebastian, Tobias und ich dann nach Kalkaji (also in den Sueden) zu Suman und Mahesh, um dort einen Tee zu trinken, und dann gemeinsam mit dem Maedels nach Tuqlaquabad Fort zu fahren. Dieses Fort ist eine Ruine aus der Zeit der muslimischen Herrschaft ueber diesen Teil von Asien (Wikipedia weiss da sicher mehr, fuer alle Geschichtsfreaks). Also ziemlich alt, ziemlich gross, und… jedenfalls ganz nett. Nur nicht die Preise: Inder zahlen angeblich 5 Rs Eintritt, wir ach so reichen Auslaender dagegen 100 Rupien pro Kopf. Und dann will der alte Kerl, der kein Wort Englisch spricht, und mit uns eine kleine Fuehrung macht auch noch Geld extra? Naja, so haben wir eigentlich nicht gewettet… Alles in allem aber eine der grossen Sehenswuerdigkeiten in Delhi, die man im Reisefuehrer abhaken kann. (”Ja klar, kenn ich.”)
Das besondere an dieser Staette: sie wird von keinen Menschen bewohnt (abgesehen vom gleichnamigen Dorf innerhalb der Mauern), sondern direkt an den Ruinen gibt es nur streunende Kuehe und Affen (siehe Fotos).

Leider waren wir recht spaet am Fort, und da es echt frueh dunkel wird in Delhi (schon gegen 7), woltlen wir dann bald mit dem Bus zurueck fahren. Das Problem dabei (abgesehen davon, das alle Busse quasi immer notorisch ueberfuellt sind): kein Bus hat feste Zeiten, und die Nummern auf den Bussen lassen sich im Dunkeln echt schwer erkennen. Daher warteten wir eine gefuehlte Dreiviertelstunde, wobei wir die das erste Viertel an der falschen Stelle (das heisst der regulaeren, aber nicht beleuchteten Haltestelle) warteten, das zweite Viertel leider erst dann die richtige Nummer erkannten, als uns der Bus die Ruecklichter zeigte; und das dritte Viertel ueber da standen und uns (ich zumindest) mit jungen Indern auf Englisch unterhalten haben.

Gestern ging dann fuer alle mehr oder weniger der Arbeitsalltag los bzw. weiter. Tobias hab ich in Richtung Sanjey Colony School in den Bus gesetzt, er kam auch irgendwann an. Sebastian kam mit mir ins Main Office, ich fing an endlich wieder an der Webseite zu arbeiten, und am Nachmittag fuhren wir beide zu einer Stippvisite zum Buero seines zukuenftigen Projekts “Education on Wheels”, bei dem ein paar Lehrer mit einem Bus voller Lernmaterial zu Plaetzen fahren, an denen viele Kinder arbeiten (statt in die Schule zu gehen), um die Jungen und Maedchen von der Notwendigkeit und dem Spass am Lernen zu ueberzeugen. Das Projekt steckt noch in der Aufbauphase, klingt aber sehr interessant. Vor allem sind die beteiligten Lehrer (zumindest die, die ich gesprochen habe) sehr von ihrer Arbeit und dem Zweck ueberzeugt…

Und das ist immer die Basis fuer Erfolg.

Eine geht, Zwei bleiben, Drei kommen…

Freitag, den 1. September 2006

Ok, ihr dachte grade es wird langweilig hier? Nur Glotze gucken, und sonst nix?

Von wegen! Nachdem Rudine am Mittwoch morgen wieder zurueck nach Holland geflogen ist, bin ich fuer eine kurze Zeit alleine bei Sunita und ihrer Familie. Und Tina alleine bei Suman. Aber das aendert sich schon wieder (die Veraenderung ist hier eh die einzige wirkliche Konstante).

Wenn alles geklappt hat, ist gestern Susanne angekommen. Sie wird Tina bei Suman Gesellschaft leisten.

Und morgen kommen Tobias und Sebastian bei Sunita an (einer morgens, einer abens) um mit mir dort zu wohnen.

Bin mal gespannt, wie ihnen das hiesige Klima bekommt. Wobei, wenn das Thermometer auf dieser Webseite wirklich stimmt, haben wir ja im Moment eh nur lausige 25 Grad. Da muss ich mir ja bald die ersten Pullover aus meinem Riesenkoffer raussuchen…

Die neuen Nasen seht ihr sicherlich ab Montag in der Bildergalerie. Bis dahin schoenes Wochenende und geniesst das Wetter (wenn es denn was daran zu geniessen gibt?!)

Wenn nicht, um so besser: Denn ich moechte hiermit offiziell zum 1. interkontinentalen Email-Schreibwettbewerb aufrufen! Die Teilnahme ist ganz einfach: Wer das hier liest, ist schon qualifiziert. Der naechste Schritt ist es nun, im Emailprogramm der Wahl folgende Fragen in einem Text zu beantworten, und anschliessend an mich zu schicken. Alle Informationen werden sensibel behandelt, und nur nach Einverstaendnis an Dritte weitergegeben ;-)

1. Wer bist Du?

2. Was machst du im Moment so, wenn du nicht grade eine Email an mich schreibst? Neuer Job, neues Studium, alte Gewohnheiten?

3. Wo bist Du? Neue Stadt, neue Bleibe, alte Umgebung?

4. Was hat dich in den letzten Wochen ernsthaft ueber die Welt, deine Umgebung oder auch die Menschheit im Allgemeinen nachdenken lassen?

5. Passieren Dir eigentlich auch so komische Sachen wie mir? Wenn ja, was?

6. Faellt Dir sonst noch was interessantes ein, was du mir mitteilen willst?

Also ab in die Tastatur und los geht’s!