Monatsarchiv für August 2006

Hindi Potter

Donnerstag, den 31. August 2006

Wer kennt die Geschichte nicht? Eine Hausfrau in England schreibt ein Jugend/Kinderbuch ueber einen Zauberlehrling in der Pubertaet. Das Buch wird ein Renner, die Frau steinreich. Es folgen 6 (geplante) weitere Buecher und der Spass wird auch noch mit einem Haufen Kohle verfilmt. Die Lizenz zum Geld drucken scheinbar. aber so ist Hollywood nunmal.

Wenn es Geld bringt, wird es gemacht.

Wusstet ihr, dass die Amis viele Filme aus Europa nach dem dortigen Erfolg nochmal mit Hollywoodstars nachdrehen? Und das teilweise schon 1 bis 2 Jahre spaeter?

Warum sollte ihnen da Bollywood (wer kennts nicht?) in irgendetwas nachstehen? Die indische Filmmaschinerie um Bombay / Mumbai herum ist ja inzwischen schon groesser als Hollywood was die Produktionszahlen angeht… Also machen sie genau das gleiche: momentan kommen im Kino die indischen Versionen von Closer, Collateral, und weiteren englischen Filmen.

Sogar Fightclub kam neulich im Fernsehen… Hab ich leider verpasst. Das bedaure ich sehr, nicht wegen der etwaigen Gewalt, sondern aus folgendem Grund: in jedem, ja wirklich jedem indischen Film wird mindestens 5mal gesungen. Glaubt ihr nicht? Schaut mal Freitags oder Samstags RTL II.

Die dringende Frage: Wie baut man in einen Film wie Fight Club Gesangsszenen ein? Keine Ahnung.

Als ich aber gestern abend mit meiner neuen Gastfamilie (von denen uebrigens nur der Sohn Englisch spricht) vor der Glotze sass, blieben wir (mehr oder weniger zufaellig) bei einem Flim namens ‘Aabra Ka Daabra’ haengen. Die Story (waer haette das gedacht?): Ein junger Kerl wird auf eine Zauberschule geschickt. Hat einen Wiedersacher unter den Schuelern und 2 treue Begleiter (beides Maedchen! Nanu? Werden die Inder nun doch liberaler, oder is das nur ein Bollywoodtrend? Reden wir ein anderes Mal drueber…). Und braucht er einen Zauberstab? Nein. Er hat seine Gedanken. Die helfen ihm auch dabei auf einem Perserteppich zu fliegen (Besen? nein danke), und bei einem Durch-die-Luft-Flieg-Gruppenspiel zu gewinnen (Quiddich? was is das denn?). Singen kann er natuerlich auch. Allerdings hoert sich das ganze fast so ertraeglich an wie die Frauenstimmen (vlg. RTL II). Daher tauchen alle Nase lang ein paar Nebencharaktere aus dem Nichts auf, um fuer 5 Minuten das (Gesangs)Zepter in die Hand zu bekommen. Nach ihren Einlagen verschwanden die meisten aber wieder…

Doch warum das ganze Gesinge? Ganz einfach. Nicht nur damit die durchschnittlichen 1000 Kinobesucher alle mit Party machen koennen (singen, klatschen, tanzen, die Ganze Palette), sondern vor allem auch, um den Film im Vorraus billig zu promoten. Den die Songs zum Film werden im Vorraus auf den Markt geschmissen, dann im Fernsehen und Radio hoch und runtergedudelt, und jeder zweite Videoclip sieht dementsprechend aus wie ein 3minuetiger Werbspot fuer den Film. Die Folge: durch die Dauerhypnose von allen Seiten werden die Zuschauer schon allein auf Grund der Filmmusik in die Kinos getrieben…

Aber zurueck zur Story des Films (hab ich erwaehnt das die Kids unsichtbar werden koennen? Mit einer Pille, die sie schlucken! Sowas wie ein Umhang waehre ja auch irgendwie unpraktisch, oder?). Die Rollen von Gut und Boese sind in den hiesigen mehr als deutlich ersichtlich, daher ueberrascht es wohl keinen, dass die Rektorin der Schule den Vater unseres Helden in ihrem Zaubertempel gefangen haelt, um ihn dort mit vielen verschiedenen Outfits, Frisuren und Gesangseinlagen zu verfuehren… Wie geht der Film vorbei? Keine Ahnung, aber ich tippe mal die Boese verlieren, das Gute siegt, und alle Feiern mit einem grandiosen Abschlusstanz und Singsang.

Dass ich den Film weder von Anfang an noch bis zum Ende gesehen habe, liegt an 2 Phaenomen:
1. alle 10 Minuten gibt es Werbepausen (furchbar, wohl von den Amis geklaut)
2. der Film (wie fast alle hier produzierten) dauert mehr als 3 Stunden…

Na da bleib ich doch lieber bei den Originalversionen auf HBO.

Luftballons

Dienstag, den 29. August 2006

Es wurde ja mal wieder Zeit.

Ich bin umgezogen. Wie angekuendigt wohne ich jetzt naeher an meinem neuen Arbeitsplatz im Main Office, d.h. nahe Janakpuri. Als ich am Sonntag Nachmittag gegen 5 bei Sunita und ihrer Familie (d.h. der Verwandtschaft von Suman) ankam, war dort recht volles Haus. Zusaetzlich zur normalen Belegschaft von Mutter, Vater, Sohn und 2 “Hausangestellten” waren da noch: Onkel, Tante, Bruder, Schwester, Tochter, Sohn und viele mehr. Grosse Familie eben. Aber das ist nicht immer so, nur an Wochenenden, Feiertagen, und ab und zu. Hauptsache unerwartet ;-). Was wurde gefeiert? Scheinbar nichts, aber dennoch gab es fast pausenlos Essen und Trinken und froehliche Konversation auf Hindi. Nur wer guckt dabei ein bisschen in die Roehre? Ich natuerlich, da sich meine Sprachkenntnisse im Laufe der letzten Wochen nicht allzu sehr verbessert haben.. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Mein neues Zimmer hat 3 Betten (ja, Tobias und Sebastian, die sind fuer euch [und mich natuerlich]), 2 Ventilatoren und eine Klimaanlage. Dann noch eine Art Kueche, von der aber nur der Kuehlschrank in Benutzung ist, und das eigene Bad. Und schon ist das Stockwerk umschrieben.

Den Weg zur Arbeit trat ich am Montag dann gemeinsam mit Rudine in der Fahrradrikshaw an (”Achtung, Huckel… Vorsicht! … Au! … Ja, da kommt noch einer”). Ein Paar Huckel weiter waren wir auch schon beim main office, und Rudine trat ihren (offiziell) letzten Arbeitstag an [sie ist auch bereit, sich Teile der Arbeit per Email zuschicken zu lassen. Das nenn ich Arbeitseinsatz!]. Nach dem ueblichen Arbeitsalltag, warmen Worten zum Abschied, Suessigkeiten fuer die Mitarbeiter und einem Geschenk fuer Rudine (Kerzenhalter und ein Rock) machten wir uns mit einer Stunde Verspaetung (ja, indisches Timing…) auf, um zunaechst nach Hause und dann zu Metrostation (ja, sowas gibts hier auch) zu fahren/gehen. Eine halbe Stunde spaeter (nach der Fahrt in diesem echt schnellen Kuehlschrank) trafen wir am Connaugh Place Allard (Rudines Freund, der in Jaipur arbeitet, und jedes Wochenende mehrere hundert Kilometer nach Delhi pendelte) und Tina, um gemeinsam zum Akshardam Tempel zu fahren. Jedoch hatten wir Glueck im Unglueck, als uns einer ehrlicher Rikshawfahrer (bevor wir einstiegen) sagte, dass der Tempel am Montag zu ist. Mist! Naja, also ab in eins der Kaffeehauser in der naeheren Umgebung (vgl. Starbucks), von denen keins Rudine unbekannt zu sein scheint, in die Sessel gehockt, und zwischen den hippen, jungen Indern mit ihrem viel zu schwachen und viel zu suessen Kaffee ueber die bisherigen Erlebnisse diskutiert.

Dann fuhr Tina mit der Rikshaw nach Hause, und wir 3 nahmen die Metro zu Sunitas Haus.

Auf dem Weg zur Metrostation passierte wieder eine dieser “Waehre es nicht echt verrueckt, wenn die wirklich so handeln wuerden?”-Geschichten.

Rudine kaufte einem kleinen Jungen aus Fuersorge ein paar Luftballons ab, um wenig spaeter (inzwischen auf dem Weg durch die Tunnel zum Bahnsteig) einen der kleineren zum platzen zu bringen. “Pau!” schallt es in alle Richtungen. “Hey, sei bloss vorsichtig damit, nachher kommt uns gleich die Polizei entgegen, und steckt und in den Knast.” - “Ha, stimmt, gleich um die Ecke vom Main Office, ist das groesste Gefaengnis von Indien.” - “Heisst das dann, die haben auch groessere Zimmer?” - “Nee, nur groessere Verbrecher..”.

Als wir dann nach dem Ticketkauf durch den Metalldetektor durchwahren (Allard und ich mit Rucksack[wurden durchsucht, alles klar]; Rudine mit den Ballons [sollten als Geburtstagsgeschenk fuer den Sohn von Sunita fuer heute sein]), passierte es:

Einer der Polizisten nahm Rudine die Luftballons ab. “Nein, die koennen sie nicht mit in die Metro nehmen..” [Zeichensprache] “kaputt machen -> Bombe -> Massenpanik -> du bist schuld -> ich meinen Job los…”. Also lieber da gelassen. Aber wo? kein Muelleimer, keine Kinder zum verschenken. Und komisch, der Polizist will die Dinger auch nicht haben.. Nicht mal der mit dem Gewehr vor der Brust baumelnd…

Fragt sich nur, ob ueberhaupt jemand auf solch einen Knall reagiert haette in der Metro? Wir haben naemlich in unserem Gespraech im Cafe festgestellt, das die Inder sehr flexible Ohren haben muessen: Einerseits koennen sie schlafen, wenn ein D-Zug durch das Zimmer faehrt, auf dem eine Punkband spielt, andererseits koennen sie sich fluesterleise unterhalten (und sogar verstehen?!) wenn im Raum laute Musik an ist und 20 andere Gespraeche laufen…

Arbeitsalltag

Donnerstag, den 24. August 2006

Ok, nun arbeite ich (mehr oder weniger offizell) im Main Office an der neuen Webseite fuer Deepalaya. Dafuer nehme ich jeden morgen (bis ich im Laufe der naechsten Woche umziehe) die Strapazen auf mich, eine knappe Stunde mit dem Bus zu fahren. Hin und Zurueck. Ja, Busse sind toll. Solange man frueher oder spaeter einen Sitzplatz in Fensternaehe bekommt, und dieser nicht ausgerechnet direkt ueber dem Motor ist, sodass man dauerhaft von unten per Umluft gebacken wird. Frauen haben hier uebrigens einen Vorteil im Bus (als Ausgleich fuer das Gaffen, Anmachen und manchmal [angeblich] sogar Angrabschen der Maenner): Sie koennen jederzeit einen Mann auffordern, fuer sie den Sitzplatz frei zu machen. Und es funktioniert.

Aber zurueck zum Altag: ich sitze jetzt also jeden Tag in einer Art Grossraumbuero im sog. “Marketing Departement” und habe mit etwas Glueck auch immer einen Computer zur freien Nutzung vor der Nase. Ab naechster Woche sogar garantiert, da dann Rudine wieder zurueck nach Holland fliegt. Ich bekomme also ihre Wohnung und ihren Arbeitsplatz. Und im Alltag vor allem Feedback zum Design der Seite, das sogar schon fast fertig ist. Jetzt muss es nur noch von 2 bis 3 Bossen abgesegnet werden, und dann kann der langwierige Teil losgehen: die technische Umsetzung. Das wird eine Aufgabe sein, mit der ich sicherlich die naechsten paar Monate zu tun haben werde, aber auch (hoffentlich) eine Menge Spass habe.

Fuer vieles Andere bleibt momentan eher wenig Zeit, doch gestern waren Rudine, Tina und ich zusammen noch bei einer Filmvorfuehrung: d.h. 2 Deutsche und 1 Hollaenderin gucken im Kulturzentrum der italienischen Botschaft einen Film aus den Siebzigern auf italienisch mit englischen Untertiteln. Und um sie herum: natuerlich ne Menge Inder. Und Italiener? Keine Ahnung. Der Raum war zappenduster. Und der Film? Kuenstlerisch wertvoll, aber abruptes Ende. Wie? Mit einem Tennisspiel zwischen 2 Pantomimen. Natuerlich ohne Baelle und Schlaeger, aber mit einer Menge begeisterter (Pantomimen) Zuschauern. Alles klar?

Aber Kulturschock ist trotzdem was anderes…

Indische Kultur

Sonntag, den 20. August 2006

Der erste Monat ist nun offiziell rum, und ich muss schlicht und einfach sagen: Mir gehts gut.

So langsam koennte man von einem gewissen Alltag sprechen (auch wenn ich ja ab morgen wieder woanders [im Main Office] arbeite). Gewisse Rituale wie morgentliches Yoga und abendliches Internetcafe, der Besuch am Samstag im Max Mueller Bhavan. All das hilft glaube ich ganz gut, um sich von den (eigentliche vorhandenen?) Sorgen und Problemen des Lebens hier abzulenken. Quasi einfach in den Tag hinein leben, den Moment geniessen, sich treiben lassen. Und hoffen, das alles einigermassen klappt. Bisher ging die Taktik jedenfalls auf…

Heute waren wir im Arts & Crafts Museum von Delhi: Eine grosse und kostenlose Ausstellung von Handwerksstuecken, Figuren, Masken, Stoffen und Malereien aus vielen Teilen Indiens und aus den letzten 3 Jahrhunderten. Echt nicht schlecht.

Und sonst? Einfach alles ein bisschen ruhig angehen lassen, die Woche wird sicher noch stressig genug…

indisch geniessen

Samstag, den 19. August 2006

Nach nun knapp einem Monat der Zurueckhaltung und Warnungen auf Grund der etwaigen Terrorgefahren haben wir es gestern endlich wieder gewagt, zu Orten mit grossen Menschenmengen zu fahren. Dieses Mal: zum Central Market in Lajpat (Teil von Delhi). Er war zwar nicht so gross wie erwartet, aber ich habe dennoch gefunden, was ich gesucht habe: eine Pyjama (d.h. eine duenne Stoffhose) und eine Kurta (ein passendes duennes Oberteil), beides 100% Baumwolle und 100% weiss. Richtig. Und da liegt das Problem: man kann die Sachen somit nur drin anziehen, da sie sonst draussen schneller grau oder braun sind, als man gucken kann. Aber da es eh mehr oder weniger wie ein Schlafanzug aussieht (Foto folgt bald), passt das schon…

Dann waren wir nach dem Markt noch bei einem der scheinbar hippesten Plaetze von Delhi: McDoof! Laute Musik, viele junge Leute, hohe Preise, vegetarisch und national angepasstes Essen und ca. 10 Grad kuehler als die Aussentemperatur. Aber diese Monsterklimaanlagen scheinen besonders bei den grossen Unternehmen wie Banken und Fastfoodketten Standard zu sein, in der Annahme, je kaelter der Laden, desto besser das Angebot. Mit dem Softeis in der Hand war es dort also schon recht kalt. Aber als wir dann in einem Musikladen waren, hatten wir bereits Angst, uns bei laengerem Aufenthalt zu erkaelten. Doch vorher konnten wir noch feststellen, das nahezu jedes Album sowohl auf CD (fuer ca. 400 Rs) und auf Casette [na, wer kennt die Dinger noch?] (fuer ca. 150 Rs) erhaeltlich ist.

Den Abend verbrachten wir dann zu Hause (ich im neuen Guru-aehnlichen Outfit) mit Mau-Mau mit dem leicht krank gewordenen Gartik und dem ersten indischen Bier. Das tolle an den Flaschen hier (neben dem nicht so schlechten Inhalt): die Groesse. Stattliche 650ml sind hier die Standardgroesse der Flaschen. Fuer 30 Rs laesst sich da echt nicht meckern, oder?

Prost!

Krishna, Busse, Leute

Donnerstag, den 17. August 2006

Gestern war dann doch noch mehr: Krishanas Geburtstag zum Beispiel. Daher war auch gestern frei, und wir (Tina, Kritika und Ich) gingen am Abend noch zum nah gelegenen Tempel, der gut besucht und natuerlich gut bewacht war. Nach dem obligatorischen Fuesse-nackig-machen warteten wir eine Weile in einer Schlange (was fuer die Indische Ellbogengesellschaft echt ungewoehnlich ist) um dann an einer Ausstellung zur Geburt Krishnas vorbei gehen zu duerfen. Dann weiter durch den Metalldetektor und in den Tempel, an mindestens 20 Gottheiten vorbei, und auf einmal bekommen wir von Tempelmitarbeitern riesige Blumenketten umgehaengt, einen Apfel und einen Zettel mit dem Bild von klein Krishna in die Hand gedrueckt. Nett, oder? Das schon, nur die Tatsache, das wir die einzigen mit sowas um den Hals im ganzen Tempel sind, macht es schon etwas unangenehm (vor allem fuer Kritika). Aber naja, weiter gegangen, Show im Tempel gesehen, Aepfel an arme Leute verschenkt, und alles is in Butter.

Und heute? Heute bin ich todesmutig mit dem Bus ins Main Office gefahren. Das tolle an den Bussen hier: Sie halten zwar nur kurz, koennen aber dennoch scheinbar 3mal soviele Leute wie bei uns transportieren. Und keiner beschwert sich, weil er keinen Sitzplatz abbekommt. Die Leute sind froh, wenn sie genug Atemluft bekommen. Aber naja, als weisser Touri mit etwas Gleuck landet man meist in einem nicht ganz so vollen Bus, und bekommt sogar frueher oder spaeter eine Sitzplatz (teilweise sogar angeboten). Da es natuerlich keine Klimaanlage gibt (der Strom wird fuer das laute Radio gebraucht ;-) freut man sich besonders ueber einen Platz am Fenster mit ein bisserl frischer Luft.

Zumeist sind die gesuchten Busse auch immer recht schnell gekommen, nur wenn man wie ich zu einem Ort faehrt, den man nicht kennt, steigt es sich leicht an der falschen Stelle aus. Besonders, wenn die Adresse des Main Office sich geaendert hat, und auf der Karte ein ganz anderer ort eingezeichnet ist. Aber hier hilft wieder die Hilfsbereitschaft der Inder: einfach Fragen, Antworten gibts immer. Und mit Glueck sogar richtige, oder sowas wie: “Fragen Sie lieber wen anders…” Gesagt, getan. Und irgendwann kam ich dann doch an der richtigen Adresse an. Da ich allerdings keinen Termin bei der Head of Human Resource (wer errinert sich?) Vasuda hatte, durfte ich erstml warten. Und warten. Und dann war ihr Meeting vorbei. Fuenf Minuten Gespraech, dass ich in Main Office wechseln will wegen Website und tralala. “Gut, sprich mal mit Suda [das is die Frau fuers Marketing]”. Aber erst spaeter, die hat auch keine Zeit. Also Lunchbreak. Rumlaufen, schicke Bruchbude finden, und das einzige Essen bestellen, das ich auf Hindi immer ueberall bestellt bekomme: Shahi Paneer, weisser Kaese in einer scharfen, roten Sosse, dazu die ueblichen Rotis (eine andere Art Mehlfladen, vgl. Tschapaati). Magen voll fuer 25 Rupien. Und wieder zurueck, auf das naechste Treffen warten. Dann mit Suda schnacken, Rodine (so heisst sie [die hollaendische Freiwillige] wirklich) treffen, mehr schnacken. Ich nehm ihre bisherige Arbeit auf USB-Stick mit, und kuendige an, am Montag wieder zu kommen. Aber vorher soll ich das nochmal mit Vasuda klaeren. Aber die is nicht da, also sprech ich mit der Assistentin…

Alles in allem also viel Laufen, Warten, Schnacken. Aber immerhin ein bisschen Nutzen. Mal schaun wies weiter geht…

“Today everthing is closed”

Mittwoch, den 16. August 2006

Heute is alles geschlossen. So schallmeite es uns gestern am Connaugh Place (dem Zentrum von Delhi) von allen Rikshawfahrern, Geschaeftemachern und Gelangweilten Indern entgegen. Warum waren alle Shop zu, die Strassen leer und weit und breit fast nur Touristen (die verdammt oft dem Klischee entsprechen) zu sehen? Der 15. August ist der indische Unabhaengigkeitstag, staatlicher Feiertag. D.h. alle ausser den Touris und den Restaurantbesitzern bleiben zu Hause. Nur wir nicht. Obwohl wir alles das hier wussten. Wir wollten in Ruhe (und ruhig war es abgesehen von den paar Nervensaegen wirklich) die Innenstadt und ihre Sehenswuerdigkeiten erkunden. Nachdem wir probiert hatten, ob die Kekse bei Subway hier auch so verdammt gut schmecken, machten wir uns zu Fuss auf, Tempel, Parlament und jede Menge Glaeubige oder Polizisten zu sehen. Leider ist es allerdings in einer Stadt wie Delhi so, das die Uebersichtskarte des Reisefuehrer zwar alles tolle auf eine Seite mit Karte knallen kann, dafuer ist dann aber ein Fingerbreit ein Kilometer Entfernung. D.h. man schafft (wie fast immer hier) nur die Haelfte des geplanten.
Aber wir haben dennoch noch mehr an diesem freien Tag geschafft: Waesche waschen! Ole Ole. Dieses Mal mit noch mehr Druecken, Wringen, Schwitzen und Handtuecher-aus-dem-Dritten-Stock-vom-Wind-weggeblasen-werden.
Und heute? Tina war im Tibetmuseum, ich dagegen bei einer erneuten Namensgebungszeremonie mit Suman und den Kids. Dieses Mal allerdings nicht in einem Tempel sondern im kleineren Kreis in einem Privathaus.

Das sieht dann etwa so aus:
ca. 20 Leute sitzen in einem 4 mal 5 Meter grossen Raum auf dem Boden um einen offenen Ofen, in den immer wieder Holz und allerlei Kraueter geworfen werden. Daneben das schreiende Kind, die gluecklichen Eltern, der singende Swami und die tausend Tanten. Irgendwann wird der Ofen rausgetragen, die Zeremonie ist zu Ende, und die Diskussion geht los. Der erste Buchstabe des Namens wird waehrend der Prozession bekannt gegeben, aber die Entscheidung zum Namen wird dann erst diskutiert. Im heuten Fall wurde die Entscheidung vertagt, die Eltern wollen nochmal Namenslisten im Internet checken.

So nah sind hier Tradition und Moderne…

es gibt immer was zu trainieren…

Montag, den 14. August 2006

vor allem die Geduld! Zum Beispiel hatte ich grade mal wieder einen meiner grandiosen Blog-Artikel fertig, als der PC hier mich auf einmal nicht mehr mochte, und den gesamten Text restlos verschluckt hat… Aber das hat auch Vorteile! Z.B. das dieser Text jetzt bestimmt kuerzer wird als die vom PC zensierte Version.

Also auf ein neues: Der eine trainiert den Kopf, der andere den Koerper.

Wofuer lohnt es sich eher, um 6 in der Frueh aufzustehen? Ich denke fuer den Koerper. Also ab in den Bus, Decke auf einer gruenen Wiese ausbreiten. Und? Yoga machen. Richtig. Dieser esoterische Kram fuer alte Inder und junggebliebene Hippies mit Regenbogentunika. Aber ganz ehrlich: Eigentlich hat es den schlechten Ruf, den ich ihm hier anhaengen will, nicht verdient. Vielmehr ist es eine Moeglichkeit, seinen Koerper bis zu den seltsamsten Muskelgruppen kennen zu lernen, und (wenn man dem Meister glauben mag) fast jede Krankheit der Welt mit einer Atem-, Drueck-, Streck- oder Schwinguebung zu beseitigen. Nie wieder krank und noch mit Hundert quietschfidel? Warum nicht?

Und wer nix fuer den Koerper tun will, weil er sich noch jung genug fuehlt? Der fuellt seinen Tagesplan neben der normalen Schule hier mit Tutorien, Extraclasses und Vorbereitungsseminaren fuer die naechste Stufe auf der Bildungsleiter. Es scheint ein wahrer Trend der jungen Generation hier zu sein, sich mit soviel Bildugnsinstitutionen zu umgeben wie moeglich. Das Ziel: ein guter Job und ein Haufen Kohle. Der Weg: zumeist private Bildungswerke und Institutionen, die fuer das Geld der Eltern etwas Mehrwert bieten, als das nicht grade perfekte staatliche Schulsystem.

Doch was ist mit denen, die kein Geld fuer teure (Extra)Bildung haben? Die kommen mit etwas Glueck und dem Wohlwollen der Eltern (oft nach langer Ueberredung) zu Schulen wie denen von Deepalaya, wo ebenfalls Bildung angeboten wird, jedoch zu guenstigeren Konditionen.

Aber kann das Niveau mithalten? Oder laesst sich da noch mehr machen? Ich werde versuchen, es herauszufinden.

Meine momentane Idee, das nachmittaegliche Bildungsprogramm zu erweitern, bzw. besser zu strukturieren muss ich noch ausarbeiten, aber interessant ist schonmal, das auch die Kurse fuer die Aelteren am Nachmittag (egal wie hoch man den Wert einschaetzen mag) nur gegen Bares stattfinden…

Geld regiert die (Bildungs)Welt?

Ans Messer geliefert

Freitag, den 11. August 2006

… fuehlte ich mich heute (wenn auch nur fuer einen kurzen Zeitraum).

 Nachdem es mir heute wieder etwas besser geht, traute ich mich endlich mal wieder raus vor die Tuer, zurueck zu Laerm, Dreck und Hitze… Mit einem Plan: zum Frisoer zu gehen. Da ich von meinen ersten Irrwegen gelernt habe, fragte ich dieses mal gleich vorher nachdem Weg, um nicht wieder wie doof da zu stehen. Und siehe da: ich hatte Erfolg, und das sogar recht schnell. Nach zwei Schritten durch durch eine verspiegelte Doppeltuer mit der Aufschrift “Vogue for men” oder so aehnlich stand ich vor einem Typ an einer Art Kasse/Rezeption. Der schickte mich durch die naechste Doppeltuer, und schon war ich in einem verdammt stark klimatisierten Raum (ca 23 Grad, also echt kalt, was die Inder wohl als Zeichen fuer gehobenen Service betrachten). 3 Sessel, alle schick und aus Leder. 2 davon frei. Also hinsetzen und schon gehts los. Alles ein bisschen gemaechlicher als in Good old Germany, aber der Typ verstand was von seinem Handwerk. Als er dann nach viel hin und her, Puestern hier und Rasiermesser dort fertig war, fragte ich mit Gestik auf meine Augen nach meiner (in Sicherheit gebrachten) Brille. Er verstand gedoch was anderes, und holte aus dem Kasten indem sie lag…. einen langen Metalldraht! [Denkt euch die Musik von Psycho oder der Weisse Hai]. “Ach du ***. Jetzt gehts dir an den Kragen.” Ich war ja schon froh, das er mir mit dem Rasiermesser nicht die Ohren abgeschnitten hatte, aber sollte das nun werden? Richtig: Die Augenbrauen stutzen. (Ich weiss, sehr maennlich und so… Aber wenigsten hiess der Laden hier nicht Beauty Salon, so wie eine andere Lokalitaet) Er holte noch schnell den Kollegen zur Hilfe, damit der meinen Kopf fest haelt, und schon kanns losgehen. Ritsch Ratsch. Und jedes Mal fuehlt es sich als wuerde ein Schnitt in die Haut gemacht. Gut das ich meine Brille noch nicht aufhabe, sonst koennte ich das Blut im Spiegel sehen, dachte ich… Aber nein, Profis eben. Alles halb so schlimm. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Dann noch das Gesicht mit Lotion zugemanscht, abgetupft und die Haare mit Wasser (und Parfuem) aus der Spruehflasche gestylt, und schon fertig.

Doch was kostet diese fuer fast jeden heterosexuellen Mann uebertriebene Menge an Pflege?

55 Rupien (also ein knapper Euro). Das sollen die mir in der Servicewueste Deutschland auch mal fuer den Preis bieten…

Wenn, dann richtig

Donnerstag, den 10. August 2006

Ok, es wurde langsam Zeit. Ich bin/war auch mal krank. Quasi kurz nachdem Tina vom Essen des letzten Wochenendes krank wurde, meldete sich auch mein Magen zu Wort. Es schien wie ein Wettrennen zu werden: Wer bleibt laenger krank, und mit mehr Sachen auf einmal? Darmprobleme? Check. Kopfschmerzen? Check. Fieber? 38.6 Check. Dauer? bis einschliesslich heute. Also knapp 1 Tag mehr als Tina.

Super! Ein grandioser Sieg nach Punkten…

Was hab ich also die lezten 3 Tage macht, ausser zu jammern, nix zu essen und umsorgt zu werden? Schlafen, Fernsehngucken. Und…. Ja, das wars glaub ich. Ach nein. Das wichtigste haette ich fast vergessen: Medikamente nehmen. Die gute “Linda” (meine Hausapotheke, gefuellt mit allem erdenklichen an Medikamenten) hat das erste Mal bewiesen was sie alles kann…

Doch was braucht man vor allem bei Fluessigkeits- und Nahrungsmangel? Richtig, Suessigkeiten. Fuers Wohlbefinden, und um den Zuckerhaushalt zu stabilisieren! Da kamen die Ahio!-Brause und die Nostalgiesuessigkeitentuete von Tina genau richtig. Sie hat sie extra aus Deutschland importiert, um sie hier an die kleinen (und grossen) Kinder zu verteilen. Da Kritika Geburtstag hatte, bekam sie die eine Haelfte der Sachen, und den Rest teilen Gartikey, Tina und Ich (gerecht) untereinander auf… Wenn das keine Genesung bedeutet, was dann?

Auf bald