Hindi Potter
Donnerstag, den 31. August 2006Wer kennt die Geschichte nicht? Eine Hausfrau in England schreibt ein Jugend/Kinderbuch ueber einen Zauberlehrling in der Pubertaet. Das Buch wird ein Renner, die Frau steinreich. Es folgen 6 (geplante) weitere Buecher und der Spass wird auch noch mit einem Haufen Kohle verfilmt. Die Lizenz zum Geld drucken scheinbar. aber so ist Hollywood nunmal.
Wenn es Geld bringt, wird es gemacht.
Wusstet ihr, dass die Amis viele Filme aus Europa nach dem dortigen Erfolg nochmal mit Hollywoodstars nachdrehen? Und das teilweise schon 1 bis 2 Jahre spaeter?
Warum sollte ihnen da Bollywood (wer kennts nicht?) in irgendetwas nachstehen? Die indische Filmmaschinerie um Bombay / Mumbai herum ist ja inzwischen schon groesser als Hollywood was die Produktionszahlen angeht… Also machen sie genau das gleiche: momentan kommen im Kino die indischen Versionen von Closer, Collateral, und weiteren englischen Filmen.
Sogar Fightclub kam neulich im Fernsehen… Hab ich leider verpasst. Das bedaure ich sehr, nicht wegen der etwaigen Gewalt, sondern aus folgendem Grund: in jedem, ja wirklich jedem indischen Film wird mindestens 5mal gesungen. Glaubt ihr nicht? Schaut mal Freitags oder Samstags RTL II.
Die dringende Frage: Wie baut man in einen Film wie Fight Club Gesangsszenen ein? Keine Ahnung.
Als ich aber gestern abend mit meiner neuen Gastfamilie (von denen uebrigens nur der Sohn Englisch spricht) vor der Glotze sass, blieben wir (mehr oder weniger zufaellig) bei einem Flim namens ‘Aabra Ka Daabra’ haengen. Die Story (waer haette das gedacht?): Ein junger Kerl wird auf eine Zauberschule geschickt. Hat einen Wiedersacher unter den Schuelern und 2 treue Begleiter (beides Maedchen! Nanu? Werden die Inder nun doch liberaler, oder is das nur ein Bollywoodtrend? Reden wir ein anderes Mal drueber…). Und braucht er einen Zauberstab? Nein. Er hat seine Gedanken. Die helfen ihm auch dabei auf einem Perserteppich zu fliegen (Besen? nein danke), und bei einem Durch-die-Luft-Flieg-Gruppenspiel zu gewinnen (Quiddich? was is das denn?). Singen kann er natuerlich auch. Allerdings hoert sich das ganze fast so ertraeglich an wie die Frauenstimmen (vlg. RTL II). Daher tauchen alle Nase lang ein paar Nebencharaktere aus dem Nichts auf, um fuer 5 Minuten das (Gesangs)Zepter in die Hand zu bekommen. Nach ihren Einlagen verschwanden die meisten aber wieder…
Doch warum das ganze Gesinge? Ganz einfach. Nicht nur damit die durchschnittlichen 1000 Kinobesucher alle mit Party machen koennen (singen, klatschen, tanzen, die Ganze Palette), sondern vor allem auch, um den Film im Vorraus billig zu promoten. Den die Songs zum Film werden im Vorraus auf den Markt geschmissen, dann im Fernsehen und Radio hoch und runtergedudelt, und jeder zweite Videoclip sieht dementsprechend aus wie ein 3minuetiger Werbspot fuer den Film. Die Folge: durch die Dauerhypnose von allen Seiten werden die Zuschauer schon allein auf Grund der Filmmusik in die Kinos getrieben…
Aber zurueck zur Story des Films (hab ich erwaehnt das die Kids unsichtbar werden koennen? Mit einer Pille, die sie schlucken! Sowas wie ein Umhang waehre ja auch irgendwie unpraktisch, oder?). Die Rollen von Gut und Boese sind in den hiesigen mehr als deutlich ersichtlich, daher ueberrascht es wohl keinen, dass die Rektorin der Schule den Vater unseres Helden in ihrem Zaubertempel gefangen haelt, um ihn dort mit vielen verschiedenen Outfits, Frisuren und Gesangseinlagen zu verfuehren… Wie geht der Film vorbei? Keine Ahnung, aber ich tippe mal die Boese verlieren, das Gute siegt, und alle Feiern mit einem grandiosen Abschlusstanz und Singsang.
Dass ich den Film weder von Anfang an noch bis zum Ende gesehen habe, liegt an 2 Phaenomen:
1. alle 10 Minuten gibt es Werbepausen (furchbar, wohl von den Amis geklaut)
2. der Film (wie fast alle hier produzierten) dauert mehr als 3 Stunden…
Na da bleib ich doch lieber bei den Originalversionen auf HBO.