Monatsarchiv für Juli 2006

Waesche waschen, Wohnung suchen… Franzoesisch sprechen?

Montag, den 31. Juli 2006

Ok, das Wochende und der Montag bringen eine Menge neues:

Kennt ihr diese Szenen aus den Filmen von frueher, wo die Leute mit einem Waschbrett am Fluss stehen? Nein, ganz so schlimm ist es hier zum Glueck nicht. Meine Gastfamilie hat eine Art Waschmaschine, d.h. die Sachen werden in eine Trommel gegeben, und drehen durch. Dann ab in einen Eimer zum Nachspuelen und dann nochmal auswringen, in den neachsten Eimer mit aufgefangenem Regenwasser (aus der Leitung vom Speichertank auf dem Dach), und schon sind die Sachen aufhaengfertig. Einmal rund um den Balkon und zurueck. So macht Waschen Spass.

Was die zukuenftige Wohnsituation anbelangt, habe ich inzwischen 2 neue Apartements besichtigt, von denen eins ziemlich schlimm aussah, und das andere quasi unmoebliert ist. Letzteres ist allerdings neu, weshalb noch kein Schrank, Klo, Strom usw. vorhanden sind. Aber sobald ich das Anmieten der Wohnung klar mache, bauen die alles rein, und ich kann einziehen. Das gute an der Wohnung: Sie kostet zwar mind. 4000 Rupien, aber laesst sich auch fuer 2 Personen nutzen (da 2 Betten da sind). Falls also niemand von euch in naechster Zeit bei mir einziehen will, wird wahrscheinlich einer der bald konmmenden Deutschen Freiwilligen dort mit einziehen…

Doch nun zurueck zum Wesentlichen: der Arbeit. Ich versuche inzwischen regelmaessig mit der Typing Class (also dem Schreibmaschinekurs) Englisch zu ueben, allerdings wollen die nicht sooo super gerne Englisch sprechen. Aber das wird sich bald aendern. Kreative Ideen wie Rollenspiele und dergleichen sollten ihr uebriges tun.

Auf dem Weg zur Typing Class traf ich dann noch Ruby, die 20 ist und in einem Callcenter arbeitet. Nebenbei kommt sie ab und an zu Deepalaya, um Computerkurse zu besuchen. Und vor allem: Sie will unbedingt Franzoesisch lernen, damit sie die Leute am Telefon (egal ob in Canada oder in Frankreich) auch mal auf Franzoesisch beschnacken kann. Und wer ist fuer so etwas besser geignet, als der Mehrsprachler Bjoern, der seit der 11. Klasse kein Franz mehr hat? Eben, keiner. “Also, wann wollen wir anfangen? Wie waehre es mit sofort?” - “Ok.” Und schon sassen wir da und ich versuchte mich verkrampft daran zu erinnern was denn verdammt nochmal “Danke” auf Franzoesisch heisst, waehrend sie mir von ihrem Job und der Familie und den Freunden und so weiter erzeahlt. Aber keine Angst:

1. ich konnte ihr doch schon ein bisserl was erzaehlen

2. hier bahnt sich KEINE Liebesgeschichte an. Sorry, aber sie ist schon verlobt, wenn ich sie richtig verstanden hab

3. ich hab mich jetzt (nachdem ich zu Hause war, und die letzte Impfspritze bekommen hab) wieder dran erinnert:

“Merci” und bis morgen

der etwas andere Geburtstag

Samstag, den 29. Juli 2006

Habt ihr schonmal Geburtstag gehabt in einem Land, wo ihr niemanden laenger kennt als eine knappe Woche?

Is schon ein bisserl komisches Gefuehl. Den ich zumindest faend es komisch so eine Sache den Leuten gleich auf die Nase zu binden. Letztendlich ist es ja doch ein Tag wie jeder andere, oder?

Naja, ok. Man schaut genauer in den Spiegel, entdeckt die Falten, die wenigen Haare, usw. Ja. Auch ich werd langsam alt. Zwanzig Jahre. Oh mann.

Doch das Leben geht (genau wie die Arbeit hier) weiter. Immer noch mit maessigem aber stetigem Tempo. Den Abschluss des Geburts-/Arbeitstages bildet nach einem Telefongespraech mit den Eltern back home ein Glaeschen WhiskeySoda mit Mahesh, dem Gastvater. Und schon ist der Tag rum.

Doch halt, das wichtigste hab ich natuerlich fast unterschlagen. Die vielen netten Glueckwuensche von euch allen aus Deutschland. VIELEN DANK noch mal dafuer.

Der heutige Samstag brachte dann ein bisschen Ausschlafen und Entspannen mit sich, der Nachmittag war gefuellt durch einen Besuch beim Aksharadham Tempel in der Naehe von Delhi, einem echt beeindruckend grossen Gebaudekomplex. Jannis und ich sind dorthin zusammen gefahren, natuerlich standesgemaess mit der Autoriksha.

Und morgen? Morgen guck ich mir gemeinsam mit meinen Gasteltern ein paar potentielle Zimmer an, da es leider nix wird mit der Uebernahme von Jannis Wohnung. Die Nachbarn der Vermieter haben herausgefunden, dass sie keine Lizenz vom Staat haben, und sie angeschwaerzt. Also nehmen die keine neuen Leute mehr auf, und alle anderen muessen so tun, als waehren sie gute Freunde (und Gratisgaeste) der Familie.

Wie gut oder schlecht die Wohnungen sind, werdet ihr bald erfahren.

Bis dann

Was gibt’s heute zu essen?

Donnerstag, den 27. Juli 2006

Da ich heute auf dem Hin- und Rueckweg keine Probleme hatte, und das Wetter auch ertraeglich war, widme ich mich heute einem anderen Thema: dem Essen.

Bisher hatte ich das Glueck das alles nur einmal gebrannt hat, und zwar nur beim Eingang. D.h. die Speisen sind grundsaetzlich alle recht scharf (die Gastfamilie hat den Schaerfegrad auf mich angepasst, d.h. aus deren Sicht fast gar nicht scharf, aus meiner schon ganz schoen heftig). Falls etwas nicht scharf ist, ist es salzig oder super suess…

Aber was denn ueberhaupt? Naja, grundsaetzlich muss man sagen, dass sich die Mahlzeiten eines Tages von ihrer Zusammensetzung nicht wesentlich unterscheiden, d.h. bei uns gibts quasi immer warmes Essen. Die Basis von fast allem ist das Chapaatii, eine Art Mehlfladen in der Groesse einer kleinen Pfanne. Er wird mit den Fingern zerrissen (ja, man darf [zumindest bei einer Mittelklassefamilie wie meiner] mit beiden Haenden essen). Dann dippt man mit diesem Teil in eine kleine Schuessel mit einer Mischung aus Gemuese und Sosse. Mal warm mal kalt, aber immer schoen scharf. Ab und an gibts noch einen kleinen Teller mit Joghurt (ungesuesst, aber mit Loeffel) dazu, um die Darmflora zu besaenftigen und das Feuer im Mund zu loeschen.

Im ueblichen Fall wird zum Essen selbst nix getrunken, aber es gibt immer Wasser aus dem Kuehlschrank und mindestens 2mal am Tag Tee. Der Tee wird noch beim Kochen (ohne Beutel versteht sich) mit Milch gemischt und hinterher nach Bedarf gesuesst. Das ganze heist dann “Chai” und schmeckt echt nicht schlecht. Fuer einen Nicht-Kaffeetrinker wie mich is das schon echt nicht uebel.

Was allerdings echt ungewohnt ist, ist schon morgen das gleiche zu bekommen wie Abends, vor allem etwas warmes (fuer mich jedenfalls). Alles in allem laesst sich immer was neues und leckeres entdecken, man muss sich nur trauen.

Also: Guten Appetit!

Kein Grund sich aufzuREGEN

Mittwoch, den 26. Juli 2006

Also heute hat der Monsun endlich mal sein wahres Gesicht gezeigt. Und zwar die nasse Seite.

Da das Problem mit dem Computerqutsch immer noch nicht geloest war (97 % von 50 MB erfolgreich runtergeladen, dann totaler Stromausfall [ja, auch die Notstromversorgung]), wollte ich heute morgen wieder ins Internetcafe, um bei Deepalaya nicht mit leeren Haenden da zu stehen. Also bin ich vor 9 aus dem Haus, und finde: ueberall geschlossenen Laeden! Das Gespraech mit den Gasteltern wieder in der Wohnung brachte es dann ans Licht: vor 10 oder 11 hat kaum einer auf. Also Glotze gucken bis 10 (90 Kanaele, davon ca. 10 auf englisch). Dann raus und ab zu Cafe. Doch siehe da! Immer noch zu, und noch besser: der Regen wird immer doller, die Strasse wird langsam aber sicher zu einem Strickmuster aus Pfuetzen, Schlammloechern und durchnaessten Indern. Und das ist eine Hauptstrasse. Also untergestellt, mp3player gezueckt (das Hindibuch wurde zu schnell nass) und gewartet. Als gegen 11 immer noch kein Mensch den Laden oeffnen wollte, bin ich weiter zu einem anderen Internetcafe (da sitze ich auch jetzt, weil das erstere bereits wieder zu ist). Doch was ist dort? Die PCs moegen meine DigiCam nicht, also bringt das runterladen auch nix, da ich nix mitnehmen kann. Der 5te PC spurt dann, im Gegensatz zum Download. Wieder eine Stunde fuer die Katz. Also zum anderen Internetcafe. “Wow, die machen ja doch mal auf”. Und siehe da, mit ein bisschen Trickserei und ner Menge Glueck klappt es beim ca. 127ten Anlauf, die benoetigte Datei (50 MB) runterzuladen, ohne das der Strom ausfaellt, der PC muckt, das Internet spinnt, oder die Huette brennt.

Also auf zu Deepalaya. Wie? Zu Fuss natuerlich, aber dieses Mal mit aufgezeichnetem Weg (aus der Stadtkarte abgemalt, die Karte ist ein Buch mit ueber 100 Seiten). Der Anfang is noch gut, das Weter ein Wenig besser, aber bald wird es mir doch zu bunt (bzw. braun). Ich steig in eine Riksha und der Fahrer (barfuss) will Scheisswetteraufschlag. Soll er haben, eh mir der Matsch bis zu den Knien steht. “Sanja Colony. S 40. Deepalaya.!?” - Er: “Yes yes, ok.” Aber von wegen. 2 Strassen weiter will er rechts abbiegen, ich meine “left” (hab ja schliesslich meine [fast durchnaesste] Karte). Nee, er weiss es ja besser. Also noch ne Ecke und noch ne Ecke und zack! Wir haben uns verfahren. Er fragt 3 Leute, rennt dafuer ueber die Strasse, fragt mich nochmal. “S-Block gibts nich.” - “Aber hallo!”. Gut, im Ende findet er ein bisserl Vertrauen, und einen Jungen (beim 6. Fragen) der sich mit in die Riksha setzt und den Weg zeigt. Also bin ich auch schon da. 20 nach 12. Der Termin mit Mr Mahesh war fuer 11 gedacht. Aber was solls, indische Puenktlichkeit eben.

Also ran an den PC und siehe da: Endlich laueft es. Nach nur 3 Tagen und ca. 8 Stunden Muehe klappt alles. Dann noch ein bisserl Geplauder mit Mr Mahesh ueber eine moegliche Bleibe fuer mich in Zukunft, und Photoshop und PHP und schon is der Arbeitstag um. Also ab nach Hause: zu Fuss, mit Plan, ohne Regen.

Tja, und nun? Relaxen, den Tag verarbeiten, cool bleiben, und wieder raus in den Regen, zurueck zum Internetcafe. Und…. (habt ihr’s gelesen?) es macht grade wieder zu! Also weiter laufen, und da bin ich. Allerdings wieder ohne Fotos. Denkt euch einfach einen Film wie Twister oder Day after tommorow in der Light-Version (oder auch Bollywoodvariante?) und ihr wisst in etwa, wie es hier aussieht. ;-) Taucherbrille und Schnorchel hab ich dabei, d.h. ich komm sicher wieder nach Hause.

die Odyssee geht weiter

Dienstag, den 25. Juli 2006

Ok, einmal verlaufen kann jeder. Aber sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rueckweg? DAS soll mir erstmal einer nachmachen.

Aber fangen wir mal von vorne an: als ich heute morgen von der Wohnung aus zu Fuss zur Deepalayaschule gehen wollte, war noch alles gut. Die Voegel zwitischern, die Autos Hupen, die Wolken verstecken die Sonne. Und der Bjoern nimmt mal wieder ne falsche Abzweigung. Und noch eine. Und noch eine. Ein durchgeschwitztes Hemd spaeter, kommt mir die geniale Idee, mal wen nach dem Weg zu fragen. “Wo ist die Deepalaya Schule?” - “Aaaahh. Gradeaus, dann links dann rechts dann grade aus.” - “Ok. Thank you.” Gesagt, getan. Kurz darauf frag ich wieder mal jemanden, und siehe da, irgendwann komm ich sogar, dank der Fuehrung eines Einheimischen ueber eine Art Muellkippe / Hinterhof / Wohnsiedlung bei einem Gebaude an. Ein riesen Klotz mit roten Steinen und der dicken Aufschrift “Deepalaya”.

Alles schoen und gut, nur leider nicht die richtige Schule, zu der ich heute wollte. Nachdem ich dann fuer ca. 5 Minuten von 20 schaulustigen Kindern umlagert (im wahrsten Sinne des Wortes) dumm aus der Waesche geguckt hab, fragte ich mal den Wachmann. Der fragt zurueck nach der Adresse. Hmmm. [Ja, peinlich aber wahr. Ich weiss nicht mal wo ich eigentlich hin will.] “Sanja Colony?” - Naja, warum nicht, was hab ich hier schon zu verlieren ausser noch nem Eimer Schweiss? Also hier lang, und da lang und dann dort. Glueck im Unglueck: einer der Schueler hat grade Schluss und nimmt mich plus seinen Kumpel auf dem Motorrad ein Stueck mit. [Was? 3 Leute auf einem Bike? Ja, es geht aber auch noch mehr, glaubt mir.]

Als er mich dann bei einer Art Bushaltestelle abgesetzt hat, denke ich “Ok, die Rikshafahrer sollten bescheid wissen, wo Sanja Colony is”. Von wegen! Auch der musste erstmal nach dem Weg fragen (bei mehr als einer Person, und das an verschiedenen Stellen). Dennoch brachte er mich immerhin ein ganzes Stueck weiter, bis wir in einer Art Sackgasse landeten, da die Strasse hier durch 2 LKWs aus verschiedenen Richtungen komplett verstopft wurde. Einer der beiden brachte grade die taegliche Wasserlieferung fuer die Umgebung, wodurch eine Menge Leute drum rum standen, um alle verfuegbaren Kanister mit dem kalten Nass zu fuellen.

Ich war immerhin in der richtigen Gegend, denn hier wussten die Leute (im Gegensatz zum Rikshafahrer und seinen Kollegen) was die Deepalaya School ist. Wenig spaeter sah ich dann das verschlossene Tor der Rueckseite vom (dieses Mal richtigen) Deepalaya Komplex. Da grade Pause war, wollte ich mich nicht durch die am verschlossenen Tor spielenden Kinder quetschen, und nahm den Weg um das Gebaude (quer durch die Muellhalde, siehe Foto von neulich). Und dann war ich nach einer guten Stunde Fussmarsch auch schon da.

Nur der liebe Lehrer, mit dem ich in Kontakt wegen der Computerraume bin, nicht. Als ich nach der Pause im Buero fragte wo er sei, erfuhr ich, dass heute eine Fortbildung in einer der anderen Deepalaya Schulen war, und er erst gegen halb 1 wieder da sein wuerde. Also Hindibuecher ausgepackt und abgewartet. Und gewartet. Und gewartet. Und da war er auch schon. Um 10 vor 1.

Also rein in den Computerraum, die Probleme von gestern (denkt einfach an furchtbaren Computerquatsch voll von Fachbegriffen) zu loesen. Aber nix is, den PC vom Boss darf ich nicht benutzen (nur dort gibts Internet), also kann ich warten. Ein bisschen mit Herrn Mahesuar (so heisst der Computertyp) plaudern, dann noch den Schreibmaschinenkurs eines anderen Lehrers zum kleinen Plausch besuchen. Und dann ist auch schon Feierabend. Und was macht der Bjoern nach so einem harten Arbeitstag?

Richtig, zu Fuss nach Hause gehen. Doch dieses Mal mit ein bisschen Mehr Grips. Ein bisschen. Die falschen Abbiegungen gabs trotzdem, der Weg wurde doppelt so lang, aber da ich den Weg waehrend dem Laufen auf Papier festgehalten hab, weiss ich nun, was ich schon wieder fuer eine dumme Orientierung hatte. Aber immerhin hab ich im Ende nach Hause gefunden.

Und dann hierher, um die die fuer den Computerquatsch benoetigten Sachen runterzuladen, und den oben gelesenen Kram abzutippen.

Und auf einmal geht das Licht und der Ventilator aus!

Nur *Glueck gehabt* die PCs laufen mit Notstrom. So bleibt der ganze tolle Tag in meinen Worten fuer euch und die Nachwelt erhalten.

Puuuhhh.  Ach ja: Wusstet ihr eigentlich, das ein Mousepad auch ganz gut als Faecher funktioniert?

von Prinzen in Brunnen und anderen Abenteuern

Montag, den 24. Juli 2006

Soo, das Wochenende ist vorbei und die Arbeit kann in vollem Umfang losgehen… Ja, dachte ich auch. Aber wie es nunmal die Angewohnheit der Indier ist, geht alles einen Schritt gemaechlicher zu als bei uns preussischen Beamten. Daher wurde aus dem Treffen um 10 mit Herrn Pradeep wegen Aufgabenverteilung und Erkundung der anderen Deepalaya Schulen ein kurzes Gespraech um kurz nach 11. Als ich davon sprach, das ich mich vor dem Abenteuer Indien viel mit Webdesign und Programmierung beschaeftigt hab, wurde ich sofort an den Computekurs-Leiter / Lehrer der Schule weitergeleitet. Einige Verstaendigungsschwierigkeiten spaeter ware dann (mehr oder weniger) klar, dass ich in den kommenden Wochen erstmal ihm zur Seite stehen werde, sein Wissen (ueber PHP [nicht beachten, is nur fuer Computerfreaks interessant]) erweitere, und endlich wieder viel Zeit mit Computern verbringen werde… Morgen gehts los.

In other News: Bereits am Freitag ist hier in Indien ein kleiner Junge in ein noch kleineres Loch gefallen (weniger als 50cm Durchmesser aber fast 10m tie) gefallen. Dort musste er unter den Augen der Oeffentlichkeit (sowohl der TV- als auch der Live-Zuschauer) knapp 50 Stunden ausharren, bis die herbeigerufene Armee und Polizei ihn mit vereinten Kraeften durch einen extra gegrabenen Tunnel aus einem nahe gelegenen Brunnen befreien konnten. Bis hier hin alles klar, oder?

Doch das interessante an dieser Geschichte sind die Reaktionen der indischen Oeffentlichkeit auf den Vorfall: Nein, keine gross angelegte Loecher-des-Todes-Zuschuettaktion, sondern ein mediales Spektakel mit weitaus interessanterem Ausgang. Der Nachrichtensender Zee TV z.B. dankt dem Jungen seine Einschaltquoten mit der Bezahlung eines kompletten Stipendiums. Des Weiteren erhaelt er von einer wohlhabenden Frau eine Geldsumme von (schlechtes Gedaechtnis aber muesste stimmen) ca. 20 000 Rupien [ja, das sind 4 000 Euro]. Der Junge mit dem medial wirksamen (und extra erfundenem) Spitznamen “Prince” wurde mit Suessigkeiten bei Laune gehalten und von Gebeten in ganz Indien (aus allen Religionsgruppen) moralisch unterstuetzt. Doch das beste kommt noch: Der Tag seiner Rettung (Sonntag) war auch noch sein Geburtstag.

Von einem Abenteuer zum naechsten: Ich bin heute todesmutig zu Fuss nach Hause gegangen! - Waaas? - Ja, ihr macht das vielleicht jeden Tag, aber wenn man den Weg so gut kennt wie die Sprache (noch eher in Richtung Null tendierend…) is das eine ganz andere Geschichte. Doch warum nicht mal die Umgebung ohne das Mordstempo der Rikshas kennen lernen? Die ersten Schritte waren kein Problem (”Ach ja, die Kuh kenn ich doch”). Doch das sollte sich bald aendern. Jedenfalls wurde ich nach kurzer Orientierungslosigkeit nach 2 bis 3 mal abbiegen in die scheinbar richtige Richtung dirigiert. Nachdem ich nach (gefuehlten) ca. 10 Minuten Wartezeit endlich die vor mir liegende Strasse ueberqueren konnte, landete ich dann in einem Wirr-Warr von 2m breiten Strassen, von denen mir eine unbekannter vorkommt als die andere. Als ich dann endlich wieder bei einer etwas groesseren Strasse angekommen war, auf der auch Autos fuhren, konnte ich mich mit detektivischem Gespuer an Hand der Schilder mit den Adressen der Geschaefte langsam von Block N zu meinem Block H durchschlagen. Doch was nun? Noch schnell an den Securityleuten eines geschlossenen Wohnblocks vorbei geshuscht, und … TADA! ich war “zu Hause”. Und das nach nur 50 Minuten (normalerweise schafft man den Weg [als ortskundiger und todesmutiger Inder] zu Fuss in ca. 20 Minuten [oder in 10 mit der Riksha].

Aber warum schnell, wenns auch langsam geht?

Nicht so langsam war allerdings die bald darauf anstehende Fahrt zum Onkel Doktor (endlich mal wieder auf dem Ruecksitz von Mahesh’s Mofa [Mahesh is mein Gastvater]). Jepp, es war Zeit fuer meine 2. Impfspritze. Nur das in Indien nicht ganz sooo nett mit dem Eisspray gekuehlt wird. Aber Indianer kennt keinen Schmerz! Kurze Fahrt zurueck und nun sitze ich hier im Internetcafe meines Vertrauens, und ab und zu durchfaerht mich ein leicht kribbelnder Schmerz aus Richtung des linken Arms.

Nur leider werd ich weder dabei gefilmt, noch ist heute mein Geburtstag, noch bekomme ich hinterher ganz viel Geld…

Trotzdem frohen Mutes sage ich bis bald!

** Schon wieder so ein bloeder Nachtrag: Ich muss dich leider enttauschen Lars, das Essen bekommt mir bisher echt gut, die Schaerfe wird mit Ruecksicht auf ein (aus deren Sicht) Minimum reduziert, und schmecken tuts auch noch! Ausfuehrliche Berichte zum Essen liefere ich, wenn es mal nix spannendes neues zu berichten gibt, und Alltag einkehr. Aber wird das jeh der Fall sein? Ich hoffe eher nicht.

Endlich Wochende…

Samstag, den 22. Juli 2006

… kennt ihr ja :-) [zumindest die HEGler]

Heute habe ich den Vormittag ueber relaxt, und dann am Nachmittag mit Jannis zusammen seinen Block [ja, schon wieder Sido-Zitat] besucht. Wir waren auch in der Wohnung die ich in ca. 2 Wochen von ihm uebernehmen werde, und ich habe seine durchweg freundlichen Nachbarn kennen gelernt. Die Miete pro Monat wird dort (fuer ein zu Zweit geteiltes Zimmer) ca. 3000 Rupien betragen (50 Rupien = 1 Euro, d.h. ca. 60 Euro). Essen ist jedoch noch nicht enthalten, kann ich aber dazu bestellen.

Der Weg von und zu Jannis Wohnung war wieder mal was neues: hin mit dem Bus (fuer 10 Rupien) und zurueck mit der Riksha (fuer den knallhart verhandelten Preis von 20 Rupien). Fuer alle Nicht-Inder oder Nicht-Asienkenner: eine Riksha ist im typischen Fall eine Art Dreirad mit Dach, also so fahrbar wie ein Motorrad, nur mit Rueckbank. Sieht in etwa so aus wie ein Mini nach einem Auffahrunfall. Es gibt aber auch noch 2 andere Typen von Riksha: eine als reines Fahrrad, eine nur durch Muskelkraft getragen bzw. gezogene (die sind jedoch nur noch sehr selten).

Das Problem in jedem Falle (wie bei allem was mit Geld zu tun hat): die Inder versuchen immer, den reichen Weissen ueber den tisch zu ziehen. In diesem Fall heisst das:

1. das Taxameter funktioniert leider nicht

2. der Preis auf Nachfrage ist immer zu hoch (also muss man sich bei bekannten Indern oder Reisenden schlau fragen)

3. sollte das Taxameter doch laufen, wird ein Umweg gefahren, d.h. man sollte auch den Weg kennen

Leider habe ich grade kein USB-Kabel fuer die Digicam dabei, d.h. Fotos vom Balkon der Wohnung und aus der Riksha komen ein anderes Mal. Falls jemand von euch Fotowuensche hat, sagt mir bescheid.

Bis dahin schoenes Wochenende

Tag 2

Freitag, den 21. Juli 2006

So, nach einer relativ langen Nacht (aufstehen erst um halb 8, besser als zu Schulzeiten) war es heute Zeit, die 1. Deepalaya Schule kennen zu lernen (es gibt mindestens 4 in Delhi).

Der Weg zur Schule war ein Erlebnis fuer sich, mein zweiter Kontakt mit dem indischen Strassenverkehr, jedoch dieses Mal auf dem Ruecksitz eines Rollers (mein Gastvater brachte mich hin). Der definitive Vorteil eines Rollers zeigte sich schnell: man kann noch schneller fahren und noch ruecksichtsloser ueberholen, da man ja auch weniger Platz braucht. Also fast besser als der Zickzack-Kurs des Fahrers vom Flughafen “nach hause”.

Als ich dann um 9:15 da war, durfte ich auf die (weibliche) “head of human resource (HR)” also Personalleiterin warten, da der Termin mit hr fuer 10 Uhr anberaumt war. Doch Streber wie ich nun mal bin, nutze ich solche Zeiten zum Hindi lernen (meine Gastmutter hat mir gestern die ersten 4 Buchstaben (bzw. Laute) beigebracht, mit denen sich zugleich die ersten Woerter formen lassen.

Doch zurueck zum Thema: als ich dann kurze Zeit spaeter mit der Frau sprach, bat sie mir an, mich ein wenig umzuschauen, das heisst ich habe mich an die Fersen der anwesenden Lehrerin geklemmt und eine kleine Fuehrung durch das Gebaude gemacht. Obwohl das Gebaude von aussen einen sehr unscheinbaren Eindruck macht, ist es doch optimal ausgenutzt, es beherbergt mindestens 10 Klassenraume mit jeweils ca. 40 Kindern, die je von einer Lehrkraft unterrichtet werden. Die Raume sind etwa halb so gross wie bei uns zuhause (und es beschwert sich trotzdem niemand ueber zu enge Raume).

Waehrend der grossen Pause sprach mich eine Stimme auf deutsch an. Es war Jannis, einer der deutschen Zivis, die seit knapp 11 Monaten hier sind. Er betreut gemeinsam mit einem Lehrer die “special unit” fuer “hearing impaired children” d.h. die Sonderklasse fuer Sprach- und Hoergeschaedigte.

Mit ihm konnte ich mich beim gemeinsamen Mittagessen ueber einige “Eigenheiten” der Inder austauschen. Wir assen in einem Restaurant der gehobenen Mittelklasse  (mit Ventilatoren, Dach ueber dem Kopf und einer Menge Personal), er meinte dass die Preise vergleichsweise teuer sind (jeder von uns hat ca. 1,50 Euro bezahlt, aber er ist die Verhaeltnisse einfach mehr gewohnt).

Nach dem Mittagessen waren wir zurueck in der Schule wo ich mit ihm bei der Special Unit sass, da die Dame von HR immer noch mit den fuer heute anstehenden Bewerbungsgespraechen fuer neue Lehrer zu tun hatte. Somit verschiebt sich ihr Angebot, die anderen Institutionen zu sehen, auf Montag.

Daher wurde ich nach einem ersten anstrengenden Arbeitstag um halb 4 ins Wochenende entlassen, damit ich dann am Montag um 10 wieder auf der Matte stehe.

Nach der Heimfahrt gemeinsam mit den Schulleiterinnen im Kleinbus habe ich noch meine 2. Cholera-Schluchimpfung genommen, und geniesse nun meinen Feierabend.

Was das Wochenende bringen wird, weiss ich noch nicht, aber du wirst es sicherlich erfahren…

** Noch ein Nachtrag zum Strassenverkehr: das wichtigste Instrument eines jeden Verkehrsteilnehmers ist die Hupe. Rueckspiegel nutzt niemand, da selbst auf den Lastwagen in fetten Buchstaben “use horn” (Hupe benutzen) steht. Es gilt das einfache Recht des Staerkeren im Linksverkehr von Delhi, d.h. der Fussgaenger (ich zum Beispiel) muss bei Schritt und Tritt auf den Verkehr achten, um nicht an- oder ueberfahren zu werden. Daher moechte ich alle Leser bitten, meinen wagemutigen Einsatz des “Alleine-die-Strasse-Ueberquerens” zum Internetcafe besonders zu wuerdigen.

Bin da, wer noch?

Donnerstag, den 20. Juli 2006

So, ich bin nach ca. 10 Stunden Flug und der ein oder anderen Ueberraschung endlich in Indien.

Momentan sitze ich grade in einem Internetcafe und werde von einem der (zum Glueck) ueberall vorhandenen Ventilatoren gekuehlt. Ohne die waere es nochmal um einiges heisser.

Ok, ihr habt heute den heissesten Tag des Jahres, aber Delhi is mit 70% Luftfeuchtigkeit auch nicht ohne. Der Himmel is bedeckt, aber es regnet nicht. Also fuer den Anfang eigentlich ein recht angenehmes Klima.

Aber nun zu den wirklich wichtigen Sachen: Ich wohne fuer die kommenden 14 Tage mit in der Wohnung einer Familie (die Mutter ist Lehrerin bei Deepalaya, der Vater arbeitet bei einer Bank). Sie haben mich sehr freundlich aufgenommen, obwohl ich erst gegen halb 3 gestern Nacht ankam. Das ist eben indische Gastfreundschaft. Wir wohnen zusammen in Sueddelhi. Etwa eine Stunde vom Flughafen entfernt, aber der Fahrer gestern Abend hats natuerlich schneller gemacht (kein Wunder wenn man statt 50 70 faehrt, und alle Spuren nutzt,die frei sind). Von daher ist soweit alles cool, nach einem Tag der Eingewoehnung und Erhohlung werde ich morgen das erste Mal mit den Leuten bei Deepalaya in Kontakt treten und mehr ueber meine Arbeit erfahren… Ich bin gespannt.

Bis dahin ein froehliches weiterschwitzen bei den indischen Wochen in Deutschland.

P.S.: Fotos kommen denke ich bald, sobald ich herausgefunden hab, wie ich sie hochladen kann…

weitere Impfungen

Montag, den 17. Juli 2006

Die Sache mit den Impfungen war doch noch nicht so früh erledigt wie gedacht. Als ich auf dem Seminar in Fulda war, empfahl mir Tilman (der bereits in Indien war), mich ebenfalls gegen die Japanische Encephalitis zu Impfen, da im Asiatischen Raum zur Zeit eine Epedemie herrscht. Als meine Eltern darauf hin in meiner Abwesenheit bei Arzt und Apotheker weitere Informationen erfragten, wurden sie darüber hinaus auf die Gefahr von Cholera und anderen Darmerkrankungen hingewiesen, sodass ich mich dagegen auch noch Impfen lassen muss…

Die Impfungen gegen Jap. Enc. besteht wieder aus 3 Spritzen, von denen ich 2 nach Indien mitnehme, in einer kühl haltenden Styropor-Verpackung (ich nenn sie Pizzabox). Gegen Cholera habe ich eine sehr überzeugende Impfung bekommen, die man mit einer Vertrauen erweckenden Brause-Pulver-Lösung einnimmt. Von dieser muss ich ebenfalls eine 2te Dosis in Indien einnehmen. Mein Impfpass ist daher inzwischen fast so voll wie ein typisches Panini-Heft nach der WM.

Das Konto dagegen wird immer leerer, die Impfkosten inklusive Ausgaben für Arbeitszeit, Beratung usw. (und inklusive einiger Medikamente für die Reiseapotheke) betragen inzwischen ca. 530,- €. Aber die Gesundheit sollte nicht an zu geringer Vorsorge oder zu kleinem Portmonee leiden.

Der Vorteil des Impfmarathons ist allerdings die Sicherheit, dass ich nun fast überall hin auf der Welt reisen kann, ohne viele neue Krankheiten als Souvenirs mitzubringen.