Endlich mal wieder was Neues!

18. Oktober 2007

Ok, ich muss zugeben, es hat eine ganze Weile gedauert, aber auch hier tut sich nochmal etwas:

Im Wesentlichen gibts hier nur noch die eine Ankündigung:

Die Zeit in Indien ist nun schon seit einer ganzen Weile vorbei, doch bevor ich es vergesse, möchte ich mich hier noch einmal in aller Form bedanken: An alle interessierten Leser dieses Blogs, alle Unterstützer, Freunde und Verwandte. Danke! Danke dass ihr mit Interesse an dieser Episode aus meinem Leben teilgenommen habt.

Natürlich geht mein Leben aber weiter und die Fortsetzung folgt an anderer Stelle:

Ich hab nicht nur einen, sondern gleich 2 neue Blogs. Zunächst gibt es ab sofort auf bjoernklose.de in (un)regelmäßigen Abständen ein paar kleine Updates aus meinem Leben. Aber keine Angst: zu solchen Schreibeskapaden wie hier wird es wohl nicht kommen.

Dafür werde ich an anderer Stelle regelmäßiger in die Tasten hauen: Auf “helpplus.de - Überlebenstechnik” möchte ich meine Entdeckungen aus der Welt der Internettechnik, Büchern und andere Abstrusitäten meines Kopfes mit der Welt teilen.

Ich würde mich freuen, Dich auf der einen oder anderen Seite begrüßen zu dürfen.

Bis gleich

Mit freundlichem Gruß

Björn

Erdbeeren pflücken in der Winterjacke

20. Juni 2007

Der Titel fasst es ganz gut zusammen: Ich komm kaum aus dem Geniessen raus vor lauter Grillen, Erdbeeren, Kuchen und Spargel essen. Aber gleichzeitig macht mir der “Sommer”, der hier angeblich herrscht, schon etwas zu schaffen.

Auch wenn ich der einzige bin, der hier im Moment im Pullover rumrennt (sind ja schließlich rund 20 Grad WENIGER hier), konnte ich mich nicht vor einer saftigen Erkältung verstecken. Aber naja, bin schon wieder auf dem Weg der Genesung. Ansonsten ist mit mir im Moment noch nicht allzuviel anzufangen, da die Erkältung mich doch etwas mitnimmt.

Aber das wird schon wieder.

Demnächst mehr, wenn ich mich erneut mit meinem tapferen 56k-Modem in die wilden Tiefen des Netzes wage.

Ein Fest der Sinne

14. Juni 2007

Die Zeit ist weiter gerast, und nun ist es auch schon soweit: Ich bin zurück in Deutschland.
Am Freitag hatte ich meinen letzten offiziellen Arbeitstag, wo ich mit Lob und Deepalaya T-Shirts überhäuft wurde.

Samstag haben wir mit ein paar Leuten das noch in der Entwicklung befindliche (aber trotzdem schon echt gute) neue Spiel von Johannes ausgetestet. Nach ca. 9 Stunden und einer Menge Schokolade im “Angels in my Kitchen” hatten wir auch schon die ersten 3 der gedachten 10 Runden überstanden. Im allgemeinen Einverständnis haben wir dann den Abend mit Freude beendet.
Wir hatten Spaß und Johannes hoffentlich eine Menge gutes Feedback für die nächste Version.

Nach einem entspannten Sonntag mit leckerem Essen und ein wenig Koffer packen machte ich mich dann am Montag noch ein letztes Mal auf ins Büro, um das Hochladen der Webseite (ja, sie ist noch grade so fertig geworden) fertigzustellen und kleine Problemchen zu beseitigen.

Am Abend traf ich mich nochmal mit dem Kreis der Deutsch sprechenden zum Abschiedsdinner (vielen Dank an alle Teilnehmer!) und am Dienstag nahm ich nochmal die letzten Eindrücke von Indien (d.h. meinem ‘Heimat’Viertel) auf.

Und nun: Jetzt sitze ich in meinem guten alten Heimatviertel, draussen regnet es und mein Vater sieht sich hinter mir die ganzen Mitbringsel an. Kurz gesagt: Ich bin zu Hause!

Und ja, es ist anders: Claus meinte mal in einer Mail zu mir, es sei “steril”. Und ich finde, dass trifft es in einigen Hinsichten ganz gut. Alles ist furchbar sauber, ordentlich, fein. Ja, deutsch eben. Ich liste einfach mal ein paar der ersten “komischen” Eindrücke auf:

Du kommst in ein Badezimmer, und das ganze Weiss und Chrom strahlen dir entgegen. (In Delhi ist weiss eine temporäre Erscheinung, es wird nach 2 Tagen grau, dann hellbraun, dann dunkelbraun). Hier scheint alles so gemacht zu sein, als wolle man den Dreck in jeder Ecke sofort sehen (und dann wegputzen). In Indien (entschuldigt die Übertreibung) scheint alles eher so, als ob man den Dreck ignoriert, d.h. alles ist eine große, staubige Suppe.

Man kann überall etwas riechen! Und es sind keine Kühe, sondern Blumen! Wow.

Es ist still. Mucksmäuschenstill (tolles Wort, vor allem mit Umlaut!). Man kann die einzelnen Geräusche bewusst wahrnehmen, und geniessen. Keine Kuh, Hupe oder ein schreiender Händler, die einem die Show vermasseln.

Man kann das Wasser aus der Leitung trinken. Kein Filter, keine Tabletten, kein Durchfall. Einfach geniessen.

Alles ist super grün und bunt, blüht, zwitschert und wächst. Und man kann es ohne den Staubwall davor direkt sehen.

Was die Verarbeitung des Kulturschocks im Allgemeinen angeht, muss ich sagen, fällt mir immer wieder auf, dass ich die ganzen täglichen Routinen (Dusche säubern, Tisch decken, etc.) und Details (die Geräusche der verschiedenen Türen im Haus, usw.) alle noch tief im Gedächtnis sind. Das heißt, man muss sich nicht erst alles neu angewöhnen, sondern einfach das “indische” Verhalten mit dem “deutschen” ersetzen. Sofern es geht…

Was das Fahren auf der rechten Seite der Straße angeht, weiß ich jedenfalls, dass ich in den nächsten 2 Wochen nur mit dem Fahrrad unterwegs sein werde… Auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause dachte ich zumindest die ganze Zeit “Hauptsache, uns kommt niemand entgegen”.

Mal sehen, wie es weiter geht.

Der Countdown laueft…

2. Juni 2007

“Die Zeit zieht an mir vorbei” sagt grade Uwe, waehrend wir nach einem guten MIttagessen mal wieder im Buero hocken.

Er ist kurz zu Besuch von seinem Posten in Uttaranchal, um mal wieder einen Hauch Zivilisation zu schnuppern.

Waehrenddessen sind inzwischen Claus und Susi zureck in Deutschland… Eine Abschiedsparty jagt die andere, und die Zeit vergeht weiter wie im Flug.

Die Arbeitszeit hier bei Deepalaya naehert sich immer mehr dem Ende, und wenn alles klappt, geht noch grade so die neue Webseite online.

A propo: Falls ihr euch schon jetzt von dem Gedanken verabschiedet, mein Gebrabbel zu lesen, moechte ich hiermit schon einmal darauf hinweisen, dass ich demnaechst einen neuen Blog starte: Nein, kein Seelenstriptease wie auf dieser Seite, sondern eine kleine aber feine Sammlung an Tips, Tricks und mehr im Bezug auf das Internet, Computer und das “echte” Leben. Das heisst, ich werde in regelmaessigen Abstaenden z.B. neue Services im Internet vorstellen, oder auch ein verdammt gutes Buch, eine lesenswerte Webseite und mehr.

Quasi all die Sachen, mit denen ich mich Tag ein, Tag aus beschaeftige. Und wenn ich den Deutschen hier davon erzaehle, ist die Reaktion meistens erstaunt und positiv. Da ich somit mein Wissen im Bereich IT an andere weitergeben kann, und gleichzeitig ihr (die potenziellen Leser) davon profitiert, haben wir alle was davon.

Alle Vorbereitungen sind noch nicht getroffen, aber sobald ich in Deutschland bin (was echt verdammt bald ist…) geht die Arbeit am neuen Blog in die heisse Phase.

Damit ihr euch die Muehe erspart, diese Seite immer und immer wieder aufzurufen, koennt ihr mir gerne eine kurze (oder auch lange) Mail an klose.bjoern+blog@gmail.com schreiben, und ich melde mich dann bei euch allen, wenn die ganze Sache losgeht.

Oder aber, ihr bleibt hier noch weiter dran, wenn ihr von meinem Kulturschock Deutschland lesen wollt.

Zur Not koennt ihr mich natuerlich auch in Person treffen, wenn ich wieder in Deutschland bin. ;-)

Kurz in die Kaelte

22. Mai 2007

Waehrend sich in Europa scheinbar jeder nach mehr Hitze sehnt, war es fuer Johannes, Claus und mich an diesem Wochenende mal Zeit, ein bisschen Abstand von den konstanten 40 Grad in Delhi zu bekommen.

Daher machten wir uns am Donnerstag Abend per Nachtzug auf nach Shimla, eine Hillstation im Norden von Indien.

Der Spass begann aber eigentlich schon vor Donnerstag: Da wir wie immer mit dem Verkehrsmittel der Wahl, dem Zug unterwegs waren, dieser jedoch bereits ausgebucht war, versuchten wir es mit dem einfachsten Trick: der Touristenquote. D.h. in jedem grossen Bahnhof gibt es ein Buero fuer auslaendische Touris, wo diese nach Vorzeigen ihres Passes jeden Zug buchen koennen und (fast) garantiert einen Sitzplatz bekommt. So einfach. Eigentlich.

Da wir schon eine Weile an der Kurzreise planten (auch Alex, ein Mitarbeiter der GTZ [Gesellschaft fuer technische Zusammenarbeit]] wollte mit, war aber durch Krankheit dann verhindert), hatten wir vorsorglich alle Passnummern gesammelt. Also Claus und ich also am Mittwoch die Tickets buchen wollten, aber nur die Nummern und eine Passkopie vorzeigen konnten, wurden wir mit Hinweis auf “die Richtlinien/Vorschriften” freundlich aber bestimmt von den Buerokraten abgewiesen.

“Kommen Sie doch morgen zwischen 8 und 6 wieder.”

Die 6 ist die Einschraenkung dafuer, dass der Reservierungsplan jedes Zuges 4 Stunden im Voraus fertig gestellt werden muss, d.h. danach gibts nix mehr zu holen. Nur noch direkt im Zug beim Schaffner, der eine meterlange Liste dabei hat.

Nun kommt natuerlich noch dazu, dass

  1. wir 4 in ganz Delhi verstreut wohnen
  2. die Bahnstation eine knappe Stunde von jedem entfernt liegt
  3. wir arbeiten muessen
  4. der Zug erst abends um 10 faehrt

Alles in allem also keine so tolle Sache, aber was bleibt uns anderes uebrig?

Somit trafen wir verbleibenden 3 (Johannes, Claus und Ich) uns am Donnerstagabend gegn halb 6 am Bahnhof, buchten muerrisch unsere Tickets, und begannen den Kurzurlaub mit einem guten Essen am Connaugh Place (fuer Insider “CP”).

Doch halt, irgendwie klappt das doch alles ganz gut bisher? Naja, was ich vergessen habe, ist die Tatsache, dass Johannes, da er im Gegensatz zu uns (denkt euch einfach irgendwelche Gruende aus, wir tuen es auch) ein Studentenvisum hat. Und Studenten sind ja keine Touristen. Koennen also im Office nix reservieren.
Also nach unten, zum normalen Schalter. Nach einer Viertelstunde (was fuer indische Verhaeltnisse absolut nichts ist) erfuhren wir dort, dass der Zug hier nicht buchbar ist, da wir (bewusst) an der New, nicht Old Delhi Railway Station sind. Also erstmal essen, dann direkt vor Abfahrt buchen.

Wir sitzen also am CP im TIG Friday’s (einer recht bekannten High Class Fastfood Kette aus den US of A) und essen eine Pizza, die vom Teig her verdammt an Chappaties erinnert (die quasi die indische Grundnahrung sind).

Doch wie ich inzwischen weiss, ist diese Art von duennem Teig “echt italienisch”. Der dicke Teig ist eher die “deutsche” Variante. Claus meinte, in mancher deutschen Pizzeria wird man manchmal nach seiner Vorliebe dazu gefragt. Hmm, wieder was gelernt.

Noch ein lecker Schokokuchen hinterher, und wir sitzen auch schon mit dem nun gebuchten Ticket von Johannes im Zug. Mit 2 reservierten Sitzen. Da unsere beiden Betten im Indischen Abteil oben waren, und die anderen alle voll, blieb fuer Johannes zur Nacht nur die extreme Loesung: Schlafen auf dem Boden. Doch er nahm es wie ein echter Mann, und hat es ueberlebt.

Am naechsten Morgen kamen wir zu 2/6 (halb + halb + fast gar nicht) ausgeschlafen in Kalka an, wo wir den Zug wechseln mussten. Ab hier wird es so bergig und eng, dass nur ein kleinerer Zug faehrt, der sog. Toy Train.

Das tolle: wir wollten den naechstmoeglichen Zug bekommen (Ankunft: 5:15, Weiterfahrt: 5:30), kauften also das normale billige Ticket ohne Reservierung. Das Prinzip hier (bei den Waggons ohne Reservierungsmoeglichkeiten, von denen etwa 50% den Zug ausmachen) ist “wer zuerst kommt, mahlt zuerst”.

Und wir waren natuerlich spaet. Also sassen wir erst im falschen Waggon, auf reservierten Plaetzen, bis wir uns entschlossen den Zug zu wechseln. Daneben stand schon der naechste: Abfahrt eine gute Stunde spaeter. Aber wenn man noch nicht ganz wach ist, vergeht auch die Zeit recht schnell. Das Verrueckte: auch in diesem Zug waren schon alle Plaetze besetzt. Unser Masterplan: im Gang auf dem Boden sitzen.

Waehrend wir weiter auf die Abfahrt warteten, und der Tag langsam hell wurde, wechselten wir nochmal in einen anderen Waggon (einer mit Reservierung), da hier der Gang gross genug fuer 2 zum sitzen und einen zum Liegen (ja, Johannes) war.

Und dann rumpelte der Zug auch schon den Berg hoch: durch ueber 100 Tunnel und mit halt an jedem Kuhdorf ging es in sportlichen 6 Stunden den Berg hinauf. Aber da es mit jedem Hoehenmeter etwas bessere Aussicht gab, war die Fahrt eigentlich ganz gut. (im Vergleich zur Rueckfahrt, s.u.)

Endlich angekommen in Shimla buchten wir als erstes das Rueckfahrticket von hier nach Kalka, dieses Mal wollten wir aber den Luxus als ausgleich. Also saftige 460 Rupien auf den Tisch fuer 2 Personen (Johannes macht noch laenger Urlaub).

Nun ging es zu Fuss weiter den Berg hoch in den Stadtkern, erstmal essen, dann Hotel suchen. Fuendig wurden wir (nach langen Kapriolen mit den nun abgeschuettelten Schleppern [alte Schnacker, die Geld bekommen, um dich in ein teures Hotel zu bringen]) im YMCA. Nein keine 70s Diskothek, sondern ganz einfach: eine gute und guenstige “Jugend”herberge. Guenstiger als jedes Hotel, und qualitativ echt gut. Leider gab es fast nie fliessend Wasser, aber dafuer konnte die Herberge ja nichts.

Von nun an bestand der “Alltag” im wesentlichen aus: schlafen, essen, sitzen, Buch lesen, durch die Gegend laufen, wieder essen und wieder schlafen.
Was man im Urlaub eben so macht: nichts weltbewegendes, einfach mal die Seele baumeln lassen, und das Nixtuen geniessen.

Besonders genossen haben wir das gute chinesische Essen in einem Restaurant, dass eine gute Abwechslung zum indischen Essen aus dem Delhi-Alltag bietet (abgesehen vom gelegentlich Besuch bei Subway und den besten Brunches der Welt).

Und schon ging es am Sonntagnachmittag wieder zurueck nach Kalka und dann Delhi. Doch halt, nicht so schnell: zunaechst stellten wir fest, dass das Ticket nach Kalka auf das falsche Datum ausgestellt war. Mit der Vorahnung des Boesen gingen wir also zum Bahnschalter, und bekamen: Ueberraschung! Service, Freundlichkeit, und gutes Englisch. Alles auf einmal! In Delhi hab ich das bisher noch fast nie in kompletter Kombi gesehen, liegt wohl an der guten Luft.

“Ja, buchen sie einfach 2. Klasse, das Ticket wird vom Schaffner upgegradet. Und in Delhi bekommen sie die Haelfte vom Preis des ersten Tickets zurueck.”

Klingt doch gut, oder? Ja. Die Super-Erste-Klasse stellte sich jedoch als ein rechter Flop heraus: keine integrierte Mahlzeit, wie bei anderen Zuegen auf der Strecke, und Sitze wie in der Sleeper Class im “Normalen Zug”. Aber immerhin: kein Stress, und Sitz/Schlafplaetze.

Und noch eine Ueberraschung am Schluss: der Zug kam fast puenktlich an (bergab is ja auch einfach!). Die kalkulierte halbe Stunde in Kalka ging also auf, und wir stiegen direkt in den Zug nach Delhi.

Nur bloed, dass unser (im Touri-Office in Delhi gebuchtes) Ticket leider nur fuer die Warteliste reichte. Und die Standardtaktik ging nicht auf, denn der sonst omnipotente Schaffner mit der Monsterliste war waehrend der gesamten Fahrzeit nicht aufzufinden. Somit mussten wir mehrmals den Platz wechseln, hatten am Ende (halb, aber eher 3 nachts) immerhin zu zweit eine ganze Bank fuer uns alleine, nachdem der Franzosen, den wir auf der Fahrt und ebenfalls ohne Superticket hier getroffen hatten, sich entschlossen hatte “Johannes-style” auf dem Boden, nein eher seinem Riesenrucksack zu schlafen.

Und nach einer Plusminus-2-Stundennacht waren wir dann auch schon in Delhi. Fast. Noch eine knappe Stunde im Halbschlaf und wir waren “daheim”.

Dann kurz mit der Metro nach Hause, ein verdammt verdiente Dusche, gutes Fruehstueck (Sandwichtoaster!) und schon sitzen wir im Buero, um unsere Pflicht zu tun.

Was mich interessieren wuerde: Haben wir an diesem Tag weniger geleistet, als andere Mitarbeiter? Ich glaub’s eher nicht…

75 zu 186

10. Mai 2007

Das sind sie, die erschreckenden Zahlen. 75kg auf 1,86 m verteilt.

Mir pfeifft der Wind noch nicht durch die Rippen, und ich weiss auch nicht wirklich ob ich das ganze auf die Ernaehrung, den Bewegungsmangel (Officejob), das Klima, Faulheit, Schicksal oder das Horoskop schieben soll.

Fest steht nur, dass mich die Zahlen doch ein wenig ueberraschen. Aber was solls, ich bin quasi schon fast wieder in Deutschland: Und soweit ich das von den Erzaehlungen von Abdiisee, Lena und Stefan mitbekomme, gibts dort viel Ruhe, viel gutes Essen, und frische Luft fuer eine Menge Bewegung.

Wenn ich also erstmal den Kulturschock Deutschland ueberstanden habe, werde ich mich der ein oder anderen Moeglichkeit widmen, meinen Koerper zurueck in “normale” Formen zu bringen.

Spannend wird auch, herauszufinden, in was fuer eine geistige Form mich Indien gepresst hat. Hier mag ich vielleicht denken, ich arbeite mehr als 3 Kollegen zusammen, aber in Deutschland ist das ja vielleicht umgekehrt, und ich bin in Wirklichkeit 3mal so langsam im Denken und Handeln geworden. Fragen ueber Fragen, und die Antwort liegt wohl noch (zum Glueck?) eine Weile hin.

Hier laueft ansonsten alles seinen gewohnten Gang. Inzwischen ist schon wieder jemand neues aus Deutschland gekommen, Stefanie hat grade im April Abi gemacht, und wird nun wahrscheinlich fuer ein Jahr in Indien sein, davon wohl einen Grossteil bei Deepalaya (im Sueden von Delhi).

Waehrend also immer mehr Freiwillige zu unserer NGO kommen, machen immer mehr “echte” Mitarbeiter den Abflug in letzter Zeit.

Gibt’s denn nur noch schlechte Nachrichten?

30. April 2007

Nun ist Stefan auch schon wieder weg. Umgeben von schoenen Frauen und bei der relativen deutschen Kaelte, muss er sich nun wieder seinem Studium widmen.

3 Monate sind verdammt schnell vergangen.

Aber dabei faellt auf, dass es fuer mich hier auch nicht mehr allzu ewig dauert! Wir haben schon wieder Ende April, und ich hab schon mein Rueckflugticket klargemacht fuer Mitte Juni.

Also auch nur noch gut 1 einhalb Monate. Ob das gut, oder schlecht ist, weiss ich im Moment noch nicht so richtig.

Fest steht im Moment nur, dass das hiesige Wetter alle ein bisschen frustriert: Selbst Stefan, der sich ruehmte, nie ernsthaft krank gewesen zu sein, hatte es am vorletzten Tag noch ein bisserl erwischt. Die Rede ist von Verdauungsproblemen (weitere Details spare ich an dieser Stelle). Das Problem eines jeden deutschen Koerpers hier scheint die staendige unnormale Hitze zu sein (jeden Tag 40 Grad, also mehr als der Koerper selbst).

Hinzu kommt noch, dass die Qualitaet des Essens, bzw. der Zutaten bei der Hitze auch abnimmt.

Bei Stichwort “abnehmen” faellt mir eine weitere unerfreuliche Sache wieder ein: ich habe glaube ich erheblich abgenommen in den vergangenen Monaten. Zumindest an Muskelmasse. Quasi jeder groessere Knochen ist von aussen erfuehlbar, das einzige wohl runde ist der Bauch… Da ich mich noch nicht in die Naehe einer Waage getraut habe, kann ich leider keine Zahlen nennen.

Aber ihr koennt euch gerne schon die kreativsten Versionen von “mann, bist du blass / duenn / haesslich geworden” und “wer bist du denn?” ueberlegen.

Vielleicht machen wir einen kleinen Wettbewerb draus?

3 Mann in einem Boot

20. April 2007

Wir sind nur noch zu dritt…
Denn obwohl inzwischen Claus angekommen ist, war dafuer schon wieder Abschiedszeit fuer Uwe. Er geht weiter nach Uttaranchal, genauer in das kleine Oertchen Almora. Dort wird er seine Arbeit fuer Deepalaya in den naechsten 3 Monaten fortsetzen. Und dann? Schaun mer mal…
Soweit fuer heute. Nur ein kleines Update.
Mehr ueber Claus gibts, wenn ich selbst mehr weiss, und er mir erlaubt, sein Privatleben vor euch auszubreiten. Bis dahin schoenes Wochenende.

Goldene Tempel, Silberne Wuerstchen und bronzene Haut

16. April 2007

Amritsar - Der Goldene Tempel

Am letzten Wochenende waren Johannes und ich in Amritsar, einer Stadt im Nordwesten von Indien, um uns den Goldenen Tempel anzuschauen. Auch wenn es nur 500 Kilometer Entfernung sind, braucht der Zug natuerlich eine ganze Nacht (oder einen Tag), sodass wir die zusaetzlichen freien Tage um das Osterwochenende nutzen konnten, um scho n am Donnerstag loszufahren. So hatten wir die Moeglichkeit, den Tempel morgens und Abends zu sehen, und ihn in aller Ruhe in aller Pracht zu begutachten. Der Tempelkomplex ist eine der (wenn nicht sogar DIE) wichtigste(n) Pilgerstaetten der Sikhs. Neben den Hindus sind die Sikhs eine recht grosse Glaubensgruppe hier, die man als eine Art Mischung aus Hinduismus und Islam ansehen kann.

Das interessante am Tempel (neben dem Gold auf der Oberflaeche) ist vor allem: dass alle Arbeiter dort freiwillig sind: es gibt kostenlose Unterkuenfte fuer Gaeste (auch Auslaender), der Eintritt ist frei, es gibt kostenloses Essen und alles sieht auch noch Tipp Topp sauber aus. Das alles zusammen ist hier in Indien schon eine kleine Sensation.

Uns hat es jedenfalls gut gefallen, und falls jemand von euch mal in der Gegend ist, wuerde ich es definitiv als Abstecher empfehlen.

Die Grenze

Von Amritsar aus ist es nicht weit bis zur Grenze zu Pakistan, und dort gibt es neben dem “Blick auf die Andere Seite” ein allabendliches kleines Spektakel: Immer wenn die Sonne untergeht, wird die Grenze dicht gemacht, und die Soldaten marschieren hin und her, exerzieren ein bisschen und geben sich die Hand (Ja, echt. Der Inder dem Pakistani, und anders rum!). Wow, werdet ihr sagen, klingt ja super… Tja, fuer die Inder wie auch Pakistanies ist dieser Event eine Verkoerperung des guten alten Patriotismus. Daher gibt es um die Grenze herum eine Art zweigeteiltes Stadion (mit Zaun in der Mitte, die indische Seite hat mehr Sitzplaetze [ist ja auch das groessere Land], Die Fotos vermitteln hoffe ich einen ganz guten Eindruck). Das seltsame an der Zeremonie (fuer den intoleranten Westler) ist, dass das ganze Prozedere so lange vor sich hingeht. Wir standen schon ca. eine Stunde in der Menge, waehrend auf beiden Seiten die Musik droehnte, bevor der erste Soldat zum marschieren ansetzte. Aber es gab eine Art Moderator, der die Leute, die vor Freude tanzten, zum Hinsetzen aufforderte, nur um sie dann wenig spaeter mit Rufslogans wieder aus den Sesseln zu locken. Eine Achterbahn der Gefuehle sozusagen. Man konnte die Euphorie in der Luft quasi riechen…

Warum sind hier alle soo nett?

Speatestens als wir nach der Grenzshow wieder am Tempel waren, um unsere kostenlose UNterkunft anzuschauen, und dann mit einer Menge von (ungelogen) knapp 1000 Leuten in einem Raum zu Abend zu essen, wurde erneut klar: Die Sikhs sind echt super! Das sage ich nicht nur, weil in meinem Wohnviertel hauptsaechlich Sikhs wohnen (inkl. der Gastfamilie) sondern aus Ueberzeugung. Man hat schnell das positive Vorurteil gegenueber den Sikhs entwickelt, da die Maenner mit Turban einfach oft freundlicher und kompetenter erscheinen als der “Durchschnittsinder”. Man hat sich verlaufen, und weiss nicht weiter. Einfach in das naechste bessere Geschaeft, dort sitzt ein Sikh (am Turban oder Silber-Armreif zu erkennen), der gut Englisch spricht, den Weg weiss, und dabei nett ist. Das sind gleich 3 Dinge auf einmal, und hier in Indien wirklich keine Selbstverstaendlichkeit.

Was ne Hitze

Bisher war es hier nur warm, aber nun ist das Thermometer nochmal um 2 Grad gestiegen (von 36 zu 38 und mehr im Tagesdurchschnitt) und es wurde gleichzeitig auch noch feuchter. Wenn also nun ab und zu der Strom im Office oder zu hause ausfaellt, merkt man es mit Sicherheit, da die (zum Glueck ueberall laufenden) Ventilatoren sich verabschieden. Aber du muessen wir durch, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es in laufenden Monat noch waermer werden soll. Aber ich hab gehoert, ihr habt auch schon um die 25 Grad? Klingt nach Wuerste braten. Das einzige Fleisch das hier kocht, ist unser eigenes…

Der kleine und grosse Luxus fuer Zwischendurch

Wobei, was die Wuerstchen und Fleisch im Allgemeinen angeht, hatten wir am jetzigen Wochenende eine Ausnahme: Wir waren bei Daniela zum kochen, und es gab Kartoffelsalat, Sauerkraut, Schupfnudeln und Wuerstchen. Doch da man hier nicht so leicht an Fleisch (von guter Qualitaet) rankommt hat der Luxus seinen Preis: knapp 1000 Rupien fuer 10 Wuerste. D.h. 100 Rs. das Stueck. Fuer das Geld bekommt man fast ein ganzes Menu bei McDonalds oder kann 3 bis 4mal bei uns im Wohnviertel essen gehen. Aber gut, wer hohe Ansprueche hat, muss auch dafuer zahlen. Gut, dass ich nicht derjenige bin…

Die anderen Abenteuerer

Inwischen ist Uwe mal wieder in Delhi gewesen (vor und nach seinem grade absolvierten Meditations-um-4-Uhr-jeden-Morgen-Aufsteh-Kurs), Abdiisee ist wieder nach Deutschland geflogen (schoenen Gruss nach Berlin), und Stefan ist von einem 10-Tage Trip durch die Kaelte von Himachal Pradesh wieder gekommen. Dort waren zwischen 5 und 20 Grad, d.h. im muss es jetzt zurueck in Delhi so gegangen sein, wie morgen Claus (dem Neuen).

“Puhhh, is das warm hier.”

Der einzige Ausweg (zumindest am Wochenende): Das Schwimmbad. Aber nein, von bronzener Haut kann noch nicht wirklich sprechen. Wir halten uns natuerlich ausserhalb des Bads an den Kleidungskodex, daher ist quasi nur Gesicht, Nacken und Unterarm etwas braun. Der Rest bleibt bleich wie die Waende vom Buero.

Es sei den, wir machen was Stefan heute bei Lunch vorschlug: “Meinst du, das stoert die, wenn man in Badehose ins Office kommt?”

Ich glaube nicht. Eher, dass wir einen “neuen Supertrend aus Europa” zu etablieren beginnen.

Jodhpur, Agra und andere Wochenendtrips

22. März 2007

Die letzten Wochen bestanden vor allem aus einem: lange Arbeitstage und etwas Wochenende (kommt wahrscheinlich vielen bekannt vor…) Daneben gab es ein paar Ueberraschungen, gute Buecher und den kleinen Luxus fuer zwischendurch.

Aber der Reihe nach: Jodhpur, die blaue Stadt war sehr entspannend, etwas ruhiger als Delhi (was bei weitem nicht schwer ist). Die Fotos sollten einen kleinen Eindruck geben.

Vorletztes Wochenende waren Stefan und Ich erneut unterwegs, dieses Mal allerdings zusammen mit Daniela und Stefan, 2 weiteren Deutschen, die wir beim allmonatlichen Stammtisch vom DAAD kennen gelernt haben.

Das Taj Mahal ist echt schoen, quasi eine begehbare Postkarte. Nur im Vergleich zu den normalen Lebenshaltungskosten mit 700 Rs. ein echter Wucher. Aber die Betreiber wissen, genau wie jeder der zoegert, zu zahlen: “Man is ja nur einmal da…” Wenn man bedenkt, dass Agra sonst nichts zu bieten hat, koennen die Anwohner echt ueber diese Einnahmen froh sein. Aber das wird leider alles fuer die Instandhaltung verwendet. Wenn wir mal von dem ganzen Touristentrara drumherum absehen, also eigentlich eine ehrliche Sache.

Am letzten Samstag waren wir bei Tobias und Johannes, um dort das von Johannes (mit)entwickelte Spiel “Das Ende des Triumvirats” zu testen. Und es ist echt gut, auch wenn wir verloren haben…

Danach waren wir beim Geburtstag von Steffi, der Angestellen der Konrad-Adenauer-Stiftung, und trafen dort wieder quasi alle Deutschen, die sich so in Delhi und Umgebung rumtreiben. Dort beschlossen wir dann auch, am naechsten Morgen bei Daniela zu Brunchen. D.h. uebernachten bei Tobias und Johannes, mitgebrachte Haferflocken und Bananen schnappen, und dann dort frische Ananas, Pfannkuchen, Nutella und andere Leckereien verdruecken.

Danach ging es weiter mit Tobias und Stefan ins Schwimmbad, unter freiem Himmel in der Sonne ein paar ruhige Bahnen ziehen und die Sonne geniessen. So laesst sich ein Sonntag, besonders beim spuerbar nahen Sommer wirklich aushalten.

Die Ueberraschung der letzten Zeit: Uwe und Abi sind wieder aus Diu und Umgebung, von der Motorradtour zurueck, d.h. wir haben wieder einen 3. Mitbewohner.

Waehrrenddessen laesst dier erwartete Mitbewohner Nr. 4, Claus noch auf sich warten, da die Impfempfehlungen seiner Aerzte im Bezug auf Tollwut und Jap. Encephalitis seinen Abflugtermin nach hinten verschieben.

Aber so schnell, wie die Zeit hier immer noch vergeht, is er ja quasi schon da…